Durch einen Steuereffekt spiegelt sich die überwiegend gute Geschäftsentwicklung der Energiebörse diesmal nicht im Jahresüberschuss wider. Gelohnt haben sich für die EEX vor allem die Vermarktung von Ökostrom, der Erdgashandel und die Clearing-Kooperationen. 23/04/2012


Aus dem 23. Stock des City-Hochhauses haben die Leipziger Mitarbeiter der EEX eine gute Aussicht. Foto: Stefan Schroeter



Die Energiebörse EEX European Energy Exchange hat ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2011 um 6 Prozent auf 46 Mio. Euro gesteigert. Beim Ergebnis vor Steuern präsentierte Vorstandschef Peter Reitz ein Wachstum von 8 % auf 17 Mio. Euro. Dass der Jahresüberschuss nach Steuern dennoch um ein Drittel auf 11 Mio. Euro zurückging, erklärte Finanzchefin Iris Weidinger mit „latenten Steuern“, die 2011 angefallen seien. Ohne diesen Effekt wäre nach ihren Worten auch der Jahresüberschuss gestiegen. Reitz kündigte an, dass Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung wie im Vorjahr eine Dividende von 7 Mio. Euro vorschlagen werden. Das Wachstum der EEX-Gruppe zeigt sich auch darin, dass sie 23 neue Mitarbeiter einstellte, so dass zum Jahresende 2011 bei ihr 127 Leute beschäftigt waren.

Der Umsatz der EEX wird weiterhin vom Geschäftsfeld Strom bestimmt, das mit 32,6 Mio. Euro den überwiegenden Teil der Erlöse lieferte. Allerdings sind sie gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Das liegt vor allem am schwächer gewordenen OTC-Clearing. Hier werden außerbörsliche Stromhandels-Geschäfte zwischen Unternehmen (OTC – Over The Counter) geld- und warenmäßig besichert. Der langfristige Stromhandel am Terminmarkt der EEX blieb dagegen mit 498 Terawattstunden stabil, der kurzfristige Stromhandel am Spotmarkt nahm sogar deutlich auf 314 TWh zu.

Als ein wichtiger Grund für das Wachstum des Strom-Spotmarktes wurde die Vermarktung des sogenannten EEG-Stroms genannt: Strom, der aus erneuerbaren Energien erzeugt wird und eine Vergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz erhält, muss seit 2010 über eine Strombörse vermarktet werden. Um wieviel Strom es sich dabei handelt, konnte der EEX-Vorstand nicht sagen. Aus aktuellen Angaben der Übertragungsnetzbetreiber, die dafür zuständig sind, geht hervor, dass sie im März 2012 auf diese Weise eine Strommenge von 6,1 TWh an einer Börse vermarktet haben. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die deutsch-französische EEX-Tochter Epex Spot. Sie setzte im März eine Strommenge von insgesamt 28,4 TWh um.

Deutlich gewachsen, wenn auch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, sind die Geschäftsfelder Erdgas, Clearingkooperationen mit anderen Energiebörsen und Informationsprodukte. Sie erzielten Zuwachsraten zwischen 43 und 71 %. Rückläufig war dagegen der Umsatz im Handel mit Emissionsrechten, der Reitz zufolge europaweit teilweise zum Erliegen gekommen ist. Nachdem die EEX hier eine Ausschreibung für die transitorische Versteigerungsplattform Deutschlands und die Europäische Investitionsbank als Partner gewonnen hat, sieht der Vorstandschef dennoch gute Aussichten auf diesem Markt.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.







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