Der kommunale Energieversorger will seine Kraftwerksleistung mittelfristig verdoppeln. Bei erneuerbaren Energien steht die Festland-Windkraft im Vordergrund, nachdem das Unternehmen mit seinen Biomasse-Kraftwerken eher durchwachsene Erfahrungen gemacht hat. 13/04/2012



Die SWL Stadtwerke Leipzig haben im März von einem Privatinvestor zwei Windkraftanlagen in der Nähe des Ortsteiles Ablaß der Stadt Mügeln übernommen. Die Investition bewege sich im „mittleren einstelligen Millionen(-Euro)-Bereich“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Windräder sind bereits seit März 2008 in Betrieb und verfügen über eine Leistung von jeweils 2,3 Megawatt sowie eine Gesamthöhe von 100 Metern. Der erzeugte Strom von knapp 6.500 MWh pro Jahr wird in das regionale Stromnetz der Enviam-Tochter Mitnetz Strom einspeist und nach den Bestimmungen des Erneuerbare Energien Gesetzes vermarktet. Dabei nutzt SWL derzeit unter anderem das Marktprämien-Modell.

Das Unternehmen wies darauf hin, dass durch die Windräder im Vergleich mit dem deutschen Strommix rund 4.100 Tonnen Kohlendioxid-äquivalente Treibhausgas-Emissionen pro Jahr vermieden werden. Geschäftsführer Raimund Otto kündigte an, die Investitionen in Windkraftanlagen auszubauen. Als Favoriten bezeichnete er dabei regionale Windprojekte an Land.

SWL hatte sich bereits im Jahr 2010 gemeinsam mit den kommunalen Energieversorgern HSE Darmstadt und N-Ergie Nürnberg zu je einem Drittel an einem Windpark mit 16 Anlagen und 40 MW in Esperstedt/Obhausen in Sachsen-Anhalt beteiligt. Inzwischen sind dort sechs weitere Windräder aufgestellt worden. Derzeit plant das Leipziger Unternehmen, seine Beteiligungen an Festland-Windrädern mittelfristig auf 100 MW zu erweitern.

Insgesamt will der kommunale Versorger seine Kraftwerksleistung um 300 MW ausbauen. Neben der Festland-Windkraft sollen vor allem flexible, gut regelbare Kraftwerke, möglichst mit Kraft-Wärmekopplung hinzu kommen. Derzeit verfügt SWL über eine Kraftwerksleistung von insgesamt 245 MW mit einer Gas- und Dampfturbinenanlage in Leipzig, zwei Biomasse-Kraftwerken in Bischofferode und Piesteritz sowie den Windrädern.

Die beiden Biomasse-Kraftwerke, die in den Jahren 2005 und 2008 in Betrieb gegangen waren, hatten laut einem Bericht der Leipziger Volkszeitung seitdem mit stark gestiegenen Preisen für den Brennstoff Holz zu kämpfen. SWL teilte dazu auf Anfrage mit, dass ursprünglich langfristige Holzliefer-Verträge mit fünf staatlichen und privaten forstwirtschaftlichen Betrieben abgeschlossen wurden. Die privaten Betriebe seien nach kurzer Zeit in die Insolvenz gegangen und hätten die Lieferungen eingestellt. Danach konnte SWL die Holzbeschaffung zwar umstrukturieren und so den Weiterbetrieb der BMKW sichern. Allerdings ist die Beschaffung nun deutlich teurer als ursprünglich kalkuliert: Die Holzpreise seien seit Inbetriebnahme der BMKW um bis zu 300 Prozent gestiegen.

Zwar erwirtschaften beide Kraftwerke noch operative Deckungsbeiträge. Sie reichen aber nicht aus, um auch die Finanzierungskosten zu decken.  SWL hat daher seit 2009 eine Risikovorsorge von 45 Mio. Euro für die Finanzierungslaufzeit getroffen. Wie lange die Finanzierungen jeweils laufen, ließ das Unternehmen offen. Nach ihrem Abschluss erwartet es Gewinne aus den Kraftwerken.



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