Zwölf Euro mehr im Jahr für einen Leipziger Stromkunden – das klingt nicht dramatisch. Haushaltskunden mit gutem, vielleicht auch regelmäßig steigendem Einkommen werden das verkraften können. Schwieriger wird es für Menschen mit dauerhaft oder zeitweise niedrigem Einkommen, bei denen oft jeder Euro seinen festen Platz im Haushaltsbuch hat. 27/02/2012



Auch im Regelsatz für das Arbeitslosengeld II und das Sozialgeld ist ein fester Betrag für Strom enthalten. Das Verbraucherportal Check24.de hatte schon im November 2010 ermittelt, dass dieser Satz im gesamten Bundesgebiet nicht ausreicht, um für einen alleinstehenden Arbeitslosen die Stromkosten zu decken. Besonders groß war das Defizit in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Einen unrühmlichen Spitzenwert dürfte dabei Leipzig erreichen, wo die Strompreise noch einmal deutlich höher sind als in den benachbarten Großstädten. Die Leipziger Strompreise sind unsozial und kein Ruhmesblatt für eine Stadt, die von einem sozialdemokratischen Oberbürgermeister regiert wird.

Dass es dazu bürgerfreundliche Alternativen gibt, zeigen Dresden und Erfurt. Dort   verzichten die Stadtwerke bis Ende 2012 auf Preiserhöhungen, obwohl sie die gleichen Kostensteigerungen wie die Stadtwerke Leipzig verkraften müssen. Bei den Stadtwerken Halle und Magdeburg sowie dem Chemnitzer Versorger Eins Energie sind zumindest in den vergangenen Monaten keine Strompreis-Erhöhungen angekündigt worden. In allen genannten Städten ist der Strom in der Grundversorgung schon lange günstiger als in Leipzig.

Dabei sind die Stadtwerke Leipzig fachlich versiert und wirtschaftlich stark genug, um ihre hohen Strompreise zumindest auf das Durchschnittsniveau der benachbarten Großstädte senken zu können. Sie sind erfolgreich im Strom-Großhandel aktiv, wo sie sich in den vergangenen Jahren zu zunehmend günstigen Preisen mit Strommengen eindecken konnten. Diese Preisvorteile könnte das Unternehmen auch an seine Leipziger Haushalts- und Gewerbekunden weitergeben. Gewinne erwirtschaftet es außerdem im bundesweiten Stromvertrieb und mit Auslandsbeteiligungen.

Dass es dennoch keine Preissenkungen für Leipziger Stromkunden gibt, hängt wohl mit den hohen Gewinnvorgaben der kommunalen Muttergesellschaft LVV zusammen. Sie braucht das Geld unter anderem, um die Verluste im Öffentlichen Personennahverkehr auszugleichen. Doch das bedeutet letzten Endes auch, dass Stromkunden überhöhte Preise bezahlen müssen, um Straßenbahn und Bus zu finanzieren. Wie wenig sinnvoll das ist, zeigt sich daran, dass die Fahrschein-Preise in Leipzig noch schneller steigen als die Strompreise.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.




Lesen Sie auch:

Mini-Stromausfälle beim Leipziger Netzinsel-Test

Kommentar: Wollen Gaskunden Geld verschenken?

Beim Gas lohnt sich der Wechsel richtig