Die Strompreise für Privat- und Gewerbekunden in Leipzig steigen im April schon wieder und bleiben damit deutlich höher als in benachbarten Großstädten. Die Ursachen dafür wollen die Stadtwerke nicht vollständig erklären. 24/02/2012



Die SWL Stadtwerke Leipzig erhöhen zum 1. April 2012 ihre Strompreise für alle Privat- und Gewerbekunden, die sich in Verträgen ohne Preisstabilität befinden, um durchschnittlich zwei Prozent. Für einen durchschnittlichen Leipziger Haushalt mit 1.800 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet dies jährliche Brutto-Mehrkosten von 12 Euro. Zuletzt hatte das kommunale Unternehmen diese Preise zum 1. Januar 2011 deutlich erhöht. Zum 1. April 2011 hatte es seine Strompreise in der Grundversorgung wieder leicht gesenkt. Als Ursache dafür nannte es jetzt eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes zur Mehrerlösabschöpfung bei Netzentgelten. Sie scheint eine dauerhafte Wirkung zu entfalten, denn auch nach der jetzt geplanten Anhebung liegen die Strompreise in der Grundversorgung noch unter dem Niveau von Januar 2011.

Als einen wesentlichen Grund für die nun anstehende Preiserhöhung zum 1. April 2012 nannte das Unternehmen eine neue, staatlich veranlasste Umlage, mit der die politisch gewollte Entlastung stromintensiver Industriebetriebe finanziert werde. Diese Umlage werde bundesweit allen Stromversorgungs-Unternehmen – so auch SWL – von den Netzbetreibern ab 1. Januar 2012 in Rechnung gestellt. Im Jahr 2012 betrage die Umlage 0,151 Cent pro Kilowattstunde netto.

Als weiteren Grund für die Erhöhung nannte SWL höhere Netznutzungs-Entgelte für 2012, die gegenüber 2011 um 4,5 Prozent gestiegen seien. Diese Netznutzungs-Entgelte für den Stromtransport werden von der SWL-Tochtergesellschaft Stadtwerke Leipzig Netz erhoben, die einer behördlichen Regulierung durch die BNA Bundesnetzagentur unterliegt. Als Grund dafür, dass SWL Netz ihre Netzentgelte um 4,5 % angehoben hat, nannte die Muttergesellschaft eine Festlegung der BNA. Die Fragen danach, um welche Festlegung es sich dabei konkret handelt, und aufgrund welcher Kriterien die Leipziger Netzentgelte erhöht wurden, wollte SWL nicht beantworten.

Aus beiden Faktoren – der Umlage zur Entlastung stromintensiver Industriebetriebe und den gestiegenen Netzentgelten – errechnete das Unternehmen eine Kostensteigerung von  0,56 Ct/kWh netto, die es an seine Kunden weitergibt. Gleichzeitig empfahl SWL seine Bestpreis-Produkte, die stabile Preise und einen Preisvorteil gegenüber der Grundversorgung bieten. Zum 1. April 2012 will der Versorger ein weiteres Strom-Produkt „Strom 21 Bestpreis“ auflegen, dessen Preisstabilität für bis zu 24 Monate gilt. Bisher waren die Preise bei Bestpreis-Produkten bis zu 12 Monate stabil.

Dabei stehen steigende Strompreise für Endkunden offensichtlich in einem Widerspruch dazu, dass die Strompreise im Großhandel in den vergangenen Jahren gesunken sind. SWL ist mit einer eigenen Handelsabteilung im Strom-Großhandel sehr aktiv und müsste eigentlich von den dort erzielbaren günstigen Einkaufspreisen profitieren. Das Unternehmen bestätigte auch, dass es mit seiner Beschaffungsstrategie gute Erfahrungen gemacht hat. So habe es für grundversorgte Stromkunden die steigende gesetzliche Abgabe für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) durch eine günstige Beschaffung kompensieren können, nachdem sich die EEG-Umlage für 2012 um 0,06 Ct/kWh auf 3,59 Ct/kWh erhöht hatte. Die Kosten der neuen Umlage und der höheren Netzentgelte dagegen könnten nicht aufgefangen werden und müssten daher an die Kunden weitergegeben werden, argumentierte das Unternehmen.

Allerdings fällt auch auf, dass Leipzig weiterhin die mit Abstand teuersten Grundversorgungs-Strompreise unter vergleichbaren Großstädten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat. SWL bestritt dies zwar und behauptete: „Nach aktuellen Studien liegen die Stadtwerke Leipzig bei der Grundversorgung in Mitteldeutschland im Mittelfeld.“ Um welche Studien es sich dabei handelt, und in welchen vergleichbaren Großstädten der Region die Grundversorgung mit Strom noch teurer ist als in Leipzig, wollte das Unternehmen allerdings nicht bekanntgeben. Diese Daten wären auch für Mitbewerber von Interesse, hieß es.

Eine mögliche Erklärung für die hohen Leipziger Grundversorgungs-Strompreise liegt in den hohen Gewinnvorgaben der SWL-Muttergesellschaft LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe. Für das Geschäftsjahr 2010 hatte SWL einen Gewinn von 63,8 Mio. Euro an sie abgeführt. Bei dieser Gelegenheit erklärte der damalige LVV-Geschäftsführer Detlev Kruse, dass er auch künftig Gewinne in dieser Größenordnung von SWL erwarte. LVV braucht die Gewinne aus dem Energiegeschäft, um die Zuschüsse für den Öffentlichen Personennahverkehr finanzieren zu können und eine hohe Verschuldung abzubauen.

In benachbarten Großstädten gehen die kommunalen Energieversorger anders mit den Strompreisen um: In Dresden und Erfurt haben die Versorger bekanntgegeben, dass die Strompreise bis Ende 2012 stabil bleiben. Bei den Stadtwerken Halle und Magdeburg sowie dem Chemnitzer Versorger Eins Energie sind in den vergangenen Monaten keine Strompreis-Erhöhungen angekündigt worden. Alle genannten Versorger, die eine ähnliche Kostenstruktur wie die Stadtwerke Leipzig haben dürften, bieten schon lange deutlich günstigere Strompreise in der Grundversorgung.

Bundesweit steht SWL dagegen mit seiner jetzigen Strompreis-Erhöhung keineswegs allein. Nach einem Bericht von Spiegel Online haben knapp 200 Versorger für das Frühjahr einen Anstieg angekündigt. Dabei steigt der Preis im Schnitt um 3,3 Prozent, in Einzelfällen auch um bis zu 10 %.


Haushalts-Strompreise in der Grundversorgung mehrerer Großstädte bei einem Jahresverbrauch von 1.800 Kilowattstunden

Stadt Jahresgrundpreis in Euro Arbeitspreis in Ct/kWh Jährlicher Gesamtpreis in Euro Preisunterschied in Prozent
Magdeburg 47,20 24,66 491,08 0,00
Dresden 84,59 22,69 493,01 0,39
Halle 80,55 23,63 505,89 3,00
Chemnitz 73,36 24,87 521,02 5,92
Erfurt 85,08 24,50 526,08 6,72
Leipzig 107,10 24,19 542,52 9,78
Leipzig ab 1.4.2012 107,10 24,86 554,58 11,70




Lesen Sie auch:

Mini-Stromausfälle beim Leipziger Netzinsel-Test

Die Gaswirtschaft im Tal der Großhandelspreise

Steigende Energiepreise erfordern mehr Effizienz