Der Wandel des Erdgasmarktes setzt die deutschen Importeure unter Preisdruck. Weil sie Erdgas aus ihren Langfristverträgen teilweise teurer einkaufen müssen, als sie es absetzen können, erwirtschaften sie derzeit hohe Verluste. 20/02/2012



Der russische Erdgasproduzent Gasprom hat sich mit mehreren europäischen Kunden darauf geeinigt, die Preise für russische Erdgaslieferungen aus Langfristverträgen an die geänderten Marktbedingungen anzupassen. Entsprechende Vertragsdokumente seien mit den Importeuren GdF-Suez aus Frankreich, Wingas aus Deutschland, SPP aus der Slowakei, SinergieItaliane  und Econgas aus Österreich unterschrieben worden, teilte Gasprom Export bereits im Januar mit. Später wurde außerdem bekannt, dass auch der Leipziger Erdgasimporteur VNG Verbundnetz Gas eine Einigung mit seinem Lieferanten für russisches Erdgas erreicht hat.

Eine solche Preisanpassung hat eine enorme Bedeutung für die Importeure, einschließlich zehntausender Mitarbeiter und Millionen Kunden. Sie entscheidet über den jährlichen Gewinn und Verlust von jeweils mehreren hundert Millionen Euro. Ein Grund dafür liegt in der Struktur der Langfristverträge, in denen sich die Importeure zur Abnahme von Mindestmengen verpflichtet haben. Ein anderer Grund sind die enthaltenen Preisformeln für das gelieferte Erdgas, die sich am hohen Weltmarktpreis für Erdöl orientieren. Im europäischen Erdgas-Großhandel sind dagegen in den vergangenen Jahren die Preise durch ein Überangebot gesunken und haben sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Deutsche Importeure berichten daher, dass sie das Gas teilweise teurer einkaufen, als sie es absetzen können.

Bei VNG führte dieses Missverhältnis im Geschäftsjahr 2011 zu einem hohen Verlust von 260 Mio. Euro. Der Essener Energiekonzern RWE berichtete für die ersten drei Quartale 2011 über einen Verlust von 824 Mio. Euro im Geschäftsbereich Supply and Trading (Lieferung und Handel), der neben schlechten Stromgeschäften auch auf den Großhandel mit Gas zurückzuführen ist.

Mittlerweile verhandeln alle großen deutschen Erdgasimporteure, zu denen auch der Düsseldorfer Energiekonzern Eon zählt, mit ihren Lieferanten über eine Anpassung der Langfristverträge. Teilweise haben sie dabei auch Schiedsgerichte angerufen. Dass dieser Weg erfolgreich sein kann, hat der italienische Energieversorger Edison demonstriert. Er hatte sich im Preisstreit um russische Erdgaslieferungen an ein internationales Schiedsgericht gewandt. Im Juli 2011 einigte er sich doch noch mit seinem Lieferanten über die Bezugspreise, so dass kein Schiedsspruch mehr nötig war.



Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.




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