Der gestiegene Erdgasbedarf bei niedrigen Temperaturen hat sich an den Spotmärkten in Leipzig und Paris deutlich niedergeschlagen. Der russische Produzent Gasprom hatte zeitweise Schwierigkeiten, alle Lieferwünsche seiner europäischen Kunden zu erfüllen. 08/02/2012




Die Leipziger Energiebörse EEX European Energy Exchange hat am 3. Februar 2012 im Handel am Spotmarkt für Erdgas mit 424.435 Megawattstunden eine neue Höchstmarke erreicht. Dabei wurde Erdgas in den deutschen Marktgebieten Gaspool und Netconnect Germany sowie im niederländischen Marktgebiet Title Transfer Facility mit Lieferungen am selben Tag und an den folgenden drei Tagen gehandelt. Die Preise lagen dabei zwischen 26 Euro/MWh und 32 Euro/MWh. Der vorherige Tagesrekord im Gashandel der EEX datierte auf den 23. Juni 2010 mit einem gehandelten Volumen von 300.286 MWh.

Am selben Tag erzielte auch die französische Energiebörse Powernext einen neuen Gashandels-Rekord am Spotmarkt. Hier wurden 524.000 MWh umgesetzt und damit die bisherige Maximalmenge von 418 MWh vom 25. November 2011 deutlich übertroffen. Der hohe Erdgasbedarf bei extremer Kälte führte auch zu steigenden Preisen: Die Erdgaslieferung für den folgenden Wochentag verteuerte sich im Tagesverlauf von zunächst 29,5 Euro/MWh auf 36 Euro.

Während die niedrigen Temperaturen den Handel an den Gasbörsen beflügeln, hat der russische Erdgasproduzent Gasprom offenbar Schwierigkeiten, seine europäischen Kunden mit den gewünschten Mengen zu beliefern. Der polnische Gasnetz-Betreiber Gasy Gaz-System berichtete am 2. Februar, dass Gasprom eine Bestellung des Erdgas-Importeurs PGNiG Polskie Górnictwo Naftowe i Gazownictwo nicht bestätigt habe. Als Konsequenz daraus seien die russischen Lieferungen um sieben Prozent gesunken. Gasy teilte gleichzeitig mit, dass bis auf drei Industriekunden alle polnischen Gaskunden die benötigten Mengen erhalten. Die zeitweiligen Lieferbeschränkungen für die betroffenen Industriekunden waren schon am Tag zuvor verkündet worden.

Den aktuellen Tagesbedarf  an hochkalorischem Erdgas in Polen bezifferte Gasy mit 68 Mio. Kubikmetern. Davon werden 7,2 Mio. m³ aus polnischer Produktion gedeckt, 40,8 Mio. m³ stammen überwiegend aus russischen Importen. Die übrigen Mengen kommen aus Untergrundspeichern. Polen arbeitet derzeit intensiv daran, weitere Importmöglichkeiten für Erdgas zu erschließen.

Medienberichten zufolge konnte Gasprom auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern zumindest zeitweise nicht die bestellten Mengen liefern. Exportchef Alexander Medwedjew bestätigte dies inzwischen für die erste Februarwoche „in einigen Fällen“. Die Lieferschwierigkeiten führte er darauf zurück, dass der Erdgas-Bedarf durch die aktuelle Kältewelle sowohl in Russland, als auch in Europa gleichzeitig stark angestiegen ist. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die aufgetretenen Lieferschwankungen auch durch Untergrundspeicher der europäischen Gasprom-Kunden ausgeglichen werden können.



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