Der Pipelinebetreiber Gasy und die Strombörse Polpx bereiten gemeinsam einen Gasbörsen-Handel für Polen vor. Gleichzeitig arbeitet Gasy intensiv an neuen Importmöglichkeiten für Erdgas. 01/02/2012


In Polen haben der Pipelinebetreiber Gasy Gaz-System und die Strombörse Polpx Polish Power Exchange mit den Vorbereitungen für eine nationale Gasbörse begonnen. Derzeit würden rechtliche, organisatorische und technische Lösungen für den Gasbörsen-Handel vorbereitet, teilten die Unternehmen mit. Sie sollen den Energieregeln der Europäischen Union entsprechen und den Gashandel an einem sogenannten Virtuellen Handelspunkt ermöglichen. Ein Zeitplan dafür wurde nicht genannt.

Gasy-Vorstandschef Jan Chadam bezeichnete die Gasbörse als eines der Elemente für einen wettbewerblichen Gasmarkt. Bisher liegt Polens Gasversorgung zu mehr als 90 Prozent in den Händen der staatlichen Gesellschaft PGNiG Polskie Gornictwo Naftowe i Gazownictwo. Sie verkaufte im Geschäftsjahr 2010 eine Erdgasmenge von 14 Mrd. Kubikmeter. 4 Mrd. m³ davon förderte das Unternehmen selbst. 10 Mrd. m³ wurden importiert, vor allem aus Russland. Derzeit arbeitet PGNiG daran, die eigene Erdgas- und Erdölförderung auf andere Länder wie Ägypten, und Norwegen auszuweiten. Außerdem sollen neue Importmöglichkeiten erschlossen werden.

Gasy selbst war erst vor wenigen Jahren aus PGNiG ausgegliedert worden und befindet sich weiter in Staatsbesitz. Das Unternehmen betreibt ein Netzwerk von 9.700 Kilometer langen Hochdruckleitungen für Erdgas und will bis 2014 neue Leitungen mit 1.000 km Länge bauen. Ein wichtiges Ziel dabei ist es, bestehende grenzüberschreitende Verbindungen zu erweitern oder neu zu bauen, um alternative Importmöglichkeiten zu schaffen. Zuletzt wurde das Netzwerk um den polnisch-deutschen Grenzübergangspunkt Lasow bei Görlitz erweitert, so dass dort die jährliche Transportleistung von 0,9 Mrd. m³ auf 1,5 Mrd. m³ stieg.

Zuvor war eine polnisch-tschechische Verbindung gebaut worden, die offenbar den Transport von jährlich 2,7 Mrd. m³ ermöglichen soll. Hinzu kommt ein „virtueller Umkehrfluss“ in der Jamal-Pipeline, die russisches Erdgas über polnisches Territorium nach Deutschland transportiert. Der polnische Abschnitt dieser Pipeline wird von Gasy betrieben. Hier ist nun auch ein virtueller Transport von jährlich 2,3 Mrd. m³ Erdgas aus westlicher Richtung zu zwei polnischen Anschlusspunkten möglich. Bei einem virtuellen Transport werden Erdgasmengen nicht tatsächlich von einem Einspeisepunkt zu einem Ausspeisepunkt bewegt, sondern miteinander verrechnet.

Gasy arbeitet derzeit an weiteren Erdgas-Importprojekten. So bereitet das Unternehmen den Bau einer Pipeline in die Slowakei vor und sondiert gemeinsam mit dem deutschen Partner Verbundnetz Gas die Möglichkeiten für eine weitere deutsch-polnische Verbindung. Außerdem baut es ein Hafenterminal für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) in Swinoujscie. Dort sollen ab 2014 Tankschiffe das LNG auch aus weit entfernten Fördergebieten in Afrika und Asien antransportieren und entladen können, bevor es regasifiziert und ins Gasnetz eingespeist wird. Darüber hinaus plant Gasy den Bau einer „Baltic Pipe“. Sie könnte durch die Ostsee von Polen nach Dänemark führen und den Import von norwegischem Erdgas ermöglichen. 



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.







Lesen Sie auch:

Sächsische Bedenken gegen Polens Kernenergie-Einstieg

Vattenfall zieht sich aus Polen zurück

Viel Strom aus Kohle, wenig aus Wasser und Wind