Ein  Modul mit 60 multikristallinen Solarzellen erzielt einen Wirkungsgrad von 18,5 Prozent. Spitzenwerte erreicht das kriselnde Fotovoltaik-Unternehmen auch bei einem quasi-monokristallinen Solarmodul und bei einem Dünnschicht-Modul. 18/01/2012


Das Fotovoltaik-Unternehmen Q-Cells meldet zwei neue Weltrekordwerte bei multikristallinen Solarmodulen. Für ein Modul mit 60 multikristallinen Solarzellen habe das unabhängige Kalibrierungslabor des Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme ISE in Freiburg/Breisgau den erzielten Modul-Wirkungsgrad von 18,5 Prozent, bezogen auf die Aperturfläche, bestätigt. Die Aperturfläche bezeichnet die aktiv stromproduzierende Fläche eines Solarmoduls ohne Zwischenräume und Rahmen. Damit bricht Q-Cells nach eigenen Angaben den im Sommer 2011 selbst aufgestellten Weltrekord von 18,1 %.

Q-Cells zufolge hat das ISE-Labor außerdem einem quasi-monokristallinen Solarmodul die Spitzenleistung von 283 Watt bescheinigt. Damit stelle das Unternehmen das aktuell leistungsstärkste Modul im Bereich kostengünstiger quasi-monokristalliner Silizium-Module. Auch bei 60-Zellen-Modulen mit monokristallinen Silizium-Wafern halte Q-Cells seit September 2011 den Weltrekord mit einer Leistung von 287 Watt.

Die beiden neuen Rekordmodule basieren auf dem neuen Quantum-Zellkonzept des Unternehmens, das derzeit im Pilotmaßstab erprobt wird und 2012 in die Serienfertigung überführt werden soll. Ausgangsmaterial für die dabei verwendeten Solarzellen sind 180 Mikrometer dicke multikristalline oder quasi-monokristalline Siliziumwafer, die mit funktionalen Nanoschichten auf der Rückseite verspiegelt und passiviert wurden.

Die neuartige Rückseiten-Struktur aus dielektrischen Schichten, kombiniert mit lokalen Kontakten, soll die optischen und elektrischen Eigenschaften der Solarzelle verbessern und eine deutliche höhere Leistung gegenüber einer bisher weitverbreiteten Standardtechnologie ermöglichen. Q-Cells zufolge eignet sich die neue Rückseitenstruktur für „diverse Ausgangsqualitäten des Siliziums“ und für sehr dünne Wafer. Damit schafft das Unternehmen nach eigener Einschätzung die Voraussetzung zur kosteneffizienten Herstellung von kristallinen Solarmodulen im Hochleistungs-Segment.

Das in Bitterfeld-Wolfen ansässige Unternehmen hatte Ende November bereits einen Weltrekord für ein CIGS-Dünnschichtmodul gemeldet. CIGS steht für eine stromproduzierende Halbleiterschicht aus Kupfer, Indium, Gallium, Schwefel und Selen (englisch: Copper, Indium, Gallium, Sulfur, Selenid), die hauchdünn auf ein Trägermaterial aus Glas aufgetragen wird. Mit einem 16 Quadratzentimeter großen Testmodul wurde Q-Cells zufolge ein Modul-Wirkungsgrad von bis zu 17,4 %, bezogen auf die Aperturfläche, erreicht.

Die Herstellungsprozesse, mit denen das Testmodul gefertigt wurde, sollen nun auf die Massenproduktion der Tochtergesellschaft Solibro übertragen werden. Hier werden Module produziert, die 0,75 bis 0,94 Quadratmeter groß sind. Bis 2016 will Solibro bei diesen Standardmodulen einen durchschnittlichen Wirkungsgrad von 16,7 % erreichen.

Bei all diesen Entwicklungserfolgen befindet sich Q-Cells derzeit in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Für das Geschäftsjahr 2011 ist ein Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich zu erwarten. Im Februar wird eine Wandelanleihe fällig, die das Unternehmen möglicherweise nicht vollständig zurückzahlen kann. Der Vorstand hatte sich zuletzt darum bemüht, mit den Inhabern eine Stundung der Anleihe zu vereinbaren.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.







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