Gebäude mit Solarstrom-Fassaden auszurüsten, ist derzeit noch ziemlich aufwändig. Doch mit standardisierten, baurechtlich zugelassenen Systemen und den sinkenden Kosten der Fotovoltaik könnte in den nächsten Jahren ein Massenmarkt entstehen. 13/01/2012


Bosch Solar rechnet damit, dass sich die Stromerzeugung aus Solarfassaden in den nächsten Jahren von einem Nischenmarkt zu einem Massenmarkt entwickelt. Derzeit würden in Europa jährlich Anlagen der „Building Integrated Photovoltaics“ (BIPV) mit einer Spitzenleistung von 105 Megawatt peak gebaut, sagte Vertriebsmanager Florian Fey am 11. Januar bei einem Anwenderkurs des Projekts Empower in Leipzig. Zum Vergleich: Allein in Deutschland gingen laut Bundesnetzagentur im Jahr 2011 Fotovoltaik-Anlagen mit insgesamt 7.500 MWp ans Netz.

Fey zufolge gibt es zwar in einigen europäischen Ländern spezielle Einspeisetarife für Solarstrom aus Fassadenanlagen. Dem stehen aber ein größerer Planungsaufwand, je nach Anwendung höhere Kosten und baurechtliche Anforderungen gegenüber. Bisher sind in Deutschland noch keine BIPV-Standardlösungen zugelassen, so dass für jede Solarfassade eine Einzelgenehmigung bei der zuständigen Baubehörde beantragt werden muss. Der Vertriebsmanager rechnet aber damit, dass dieses Hindernis in absehbarer Zeit überwindbar ist.

Vorteilhaft für den deutschen BIPV-Markt wird es sich nach Feys Ansicht auswirken, dass die Einspeisevergütung für ins Stromnetz eingespeisten Solarstrom nach dem EEG Erneuerbare Energien Gesetz im laufenden Jahr unter den Strompreis für Haushaltskunden sinkt. Bekanntlich erhalten die Betreiber von Solarstrom-Anlagen seit Anfang 2012 nur noch eine Vergütung zwischen 17,94 Cent und 24,43 Cent je Kilowattstunde. Zum 1. Juli sinkt die Vergütung voraussichtlich um weitere 15 Prozent. „Damit haben die Kunden einen Anreiz, ihren Strom selbst in Solaranlagen zu erzeugen“, sagte Fey.

Da die Kosten für Fotovoltaik-Anlagen weltweit sinken, rechnet Bosch Solar bereits im Jahr 2016 mit einem weltweiten BIPV-Marktvolumen von 1 Gigawatt peak. Bis 2021 könnte es auf mehr als 6 GWp steigen. 

Der in Arnstadt bei Erfurt ansässige Solarproduzent bereitet sich darauf mit Pilotprojekten vor. Seine erste Solarfassaden-Anlage installierte er 2010 am Kaufhaus Schwager in Holzminden, Niedersachsen. Die dort verwendeten Solarmodule der Brandenburger Tochtergesellschaft Bosch Solar Cistech erreichen an der 300 Quadratmeter großen Südfassade 21 Kilowatt peak und produzieren jährlich 19.000 kWh Strom. Die Dünnschicht-Module mit einem CIS-Halbleiter aus Kupfer, Indium, Gallium, Schwefel und Selen sind um zehn Grad zur Sonne geneigt, um eine höhere Stromausbeute zu erzielen. Gleichzeitig wurde die Fassade mit einem Wärmedämm-Verbundsystem ausgerüstet. Inzwischen hat Bosch Solar weitere Pilotprojekte an der Fassade eines Firmengebäudes in Osnabrück und bei der Sanierung eines Bürogebäudes in Aalen umgesetzt.



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