Im Mai 2011 hatte die Leipziger Energiebörse einen kurzfristigen Erdgashandel im niederländischen Marktgebiet TTF gestartet. Nachdem er sich gut entwickelt hat, will EEX nun in Großbritannien zunächst das Clearing für Gasmarkt-Kontrakte anbieten. 11/01/2012



Die EEX European Energy Exchange bietet seit Mai 2011 einen Börsen-Spothandel im niederländischen Marktgebiet TTF Title Transfer Facility an. Wie EEX-Vorstandschef Peter Reitz gestern vor Journalisten in Leipzig sagte, haben die Leipziger dort inzwischen im Wettbewerb mit anderen Energiebörsen einen Marktanteil von 50 Prozent erreicht. Die Gasmenge, die über EEX am TTF im Dezember gehandelt wurde, bezifferte er auf eine Terawattstunde. Einschließlich der deutschen Marktgebiete Gaspool und NCG kam die Leipziger Energiebörse im Dezember auf ein Handelsvolumen von 3,6 TWh am Erdgas-Spotmarkt. Im gesamten Jahr 2011 sind Reitz zufolge die EEX-Handelsvolumina am Spotmarkt für Erdgas um 50 Prozent gestiegen.

Nach dem Erfolg am TTF ist nun auch ein erster Schritt auf den schon weitgehend liberalisierten Gasmarkt in Großbritannien geplant. Reitz kündigte an, demnächst das Clearing für britische Gasmarkt-Kontrakte anzubieten. Ein eigener Börsenhandel für den britischen NBP National Balancing Point sei derzeit noch nicht geplant. NBP gilt als umsatzstärkster europäischer Marktplatz für Erdgas.

EEX ist insgesamt weiter auf einem starken Wachstumskurs. Das Unternehmen habe im vergangenen Geschäftsjahr 2011 einen neuen Rekordumsatz und ein neues Rekordergebnis erreicht, sagte Reitz. Konkrete Zahlen nannte er dabei noch nicht. Im Geschäftsjahr 2010 hatte der EEX-Konzern einen Umsatz von 43 Mio. Euro und einen  Jahresüberschuss von 17 Mio. Euro erwirtschaftet. Gestiegen ist auch die Zahl der Mitarbeiter: Waren Anfang 2011 noch 100 Leute bei der EEX beschäftigt, sind es inzwischen 130. So eröffnete die Energiebörse neue Büros in Brüssel und London.

Das Handelsvolumen der EEX-Tochter Epex Spot für kurzfristige Stromlieferungen in Deutschland, Österreich, Frankreich und Schweiz stieg 2011 um 13 Prozent auf 314 Terawattstunden. Als Grund dafür nennt Epex zum einen, dass die Zahl der Börsenmitglieder um 9 auf 201 gestiegen ist. Zum anderen sind die Übertragungsnetzbetreiber seit 2010 verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien an der Spotbörse zu vermarkten. Die täglichen Zahlen für diese Ökostrommenge meldet EEX auf ihrer Transparenz-Plattform. Wie groß sie im gesamten Jahr 2011 war, hatte die Energiebörse gestern noch nicht ermittelt.

Epex Spot arbeitet derzeit gemeinsam mit mit der nordischen Strombörse Nord Pool Spot daran, gemeinsame Handelssysteme zu entwickeln. Sie sollen die schon bestehende Kopplung der Strommärkte von  Deutschland, Frankreich und den Benelux-Ländern mit den nordeuropäischen Ländern Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden weiter verbessern. Die neuen Handelssysteme soll ein Gemeinschaftsunternehmen entwickeln, das voraussichtlich im ersten Quartal gegründet und in London registriert wird. Epex Spot liefert auch das Preiskopplungs-System für eine trilaterale Marktkopplung, an der momentan drei Strombörsen aus Tschechien, Slowakei und Ungarn arbeiten.

Im börslichen Strom-Terminhandel und dem damit verbundenen Clearing hat EEX ebenfalls etwas zulegen können. Beim Clearing werden Handelsgeschäfte geld- und warenmäßig abgewickelt und besichert. Beim Clearing von außerbörslichen Strom-Termingeschäften (OTC – Over The Counter), das die EEX-Tochter ECC European Commodity Clearing als Dienstleistung anbietet, gab es dagegen einen deutlichen Rückgang. Reitz erklärte dies mit insgesamt rückläufigen Handelsvolumina auf dem OTC-Markt.




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