Der ostdeutsche Erdgas-Großhändler hat sich einem Pressebericht zufolge mit seinem Lieferanten über einen Preisnachlass für russische Erdgas-Importe geeinigt. Damit soll Verbundnetz jetzt wieder Gas mit Gewinn verkaufen können. 21/12/2011



Der Leipziger Erdgas-Großhändler VNG Verbundnetz Gas hat einem russischen Pressebericht zufolge einen Preisnachlass für Erdgasimporte aus Russland erreicht. Die Internetausgabe der Zeitung „Moskowskije Nowosti“ zitierte VNGs Gasbeschaffungs-Vorstand Michael Ludwig mit den Worten, das Unternehmen habe mit seinem Lieferanten  „bestimmte zeitweilige Vereinbarungen über die Preisoptimierung“ erreicht. Dabei gehe es um die Absenkung des vertraglichen Grundpreises in den Jahren 2011-2012. Ludwig habe nicht gesagt, welchen finanziellen Effekt dies bewirke. Er soll aber erklärt haben, dass VNG jetzt wieder Gas mit Gewinn verkaufen  könne.

 

Der überwiegend in Ostdeutschland aktive Großhändler bezieht jährlich 214 Mrd. Kilowattstunden Erdgas, wovon ein Drittel aus Russland stammt. Das russische Erdgas kauft das Unternehmen dabei nicht direkt beim dortigen Gasexport-Monopolisten Gasprom, sondern beim WIEH Wintershall Erdgas Handelshaus, einem Gemeinschaftsunternehmen von Gasprom und dem deutschen Importeur Wintershall. Ein weiteres Drittel erhält VNG von Lieferanten aus Deutschland und Norwegen. Diese Lieferungen basieren auf Langfristverträgen, die teilweise über mehrere Jahrzehnte laufen. Dabei gelten Preisformeln, die sich überwiegend an der Preisentwicklung für Erdöl orientieren. Außerdem sind in diesen Verträgen bestimmte Mindest-Abnahmemengen festgehalten.

In den vergangenen Jahren hat ein Überangebot von Erdgas im europäischen Kurzfrist-Großhandel und ein damit verbundener Preisrutsch dazu geführt, dass die europäischen Importeure die Einkaufspreise aus ihren Langfrist-Verträgen nicht mehr im gewohnten Maß an ihre Kunden weitergeben konnten. Als Reaktion darauf senkte VNG den Einkauf aus den Langfristverträgen so weit wie möglich ab und kaufte sein Gas selbst verstärkt an den kurzfristigen Spotmärkten ein. Zuletzt hatten diese Spotmengen ein knappes Drittel des VNG-Erdgasbezugs erreicht.


Dennoch blieb das Unternehmen unter starkem Margendruck. Einem Bericht der Leipziger Volkszeitung vom Oktober zufolge drohte ihm zu dieser Zeit für das laufende Jahr ein Verlust von 350 Mio. Euro, nachdem der Gewinn schon 2010 um zwei Drittel auf 59 Mio. Euro eingebrochen war. Wenn VNG Verluste macht und keine Dividende für 2011 zahlt, versiegt eine wichtige Einnahmequelle für zehn ostdeutsche kommunale Aktionäre des Unternehmens. Leipzig erhält dann von ihm außerdem keine Gewerbesteuer.


Zu dem Pressebericht über einen Preisnachlass für Erdgas äußerte sich VNG sehr zurückhaltend: „Wir befinden uns mit unseren russischen Partnern auf einem guten und konstruktiven Weg hinsichtlich der Anpassung des Liefervertrages“, teilte die Pressestelle mit. Ludwig selbst war für Nachfragen nicht erreichbar.


Ein Hinweis auf einen möglichen Preisnachlass für russische Erdgasimporte nach Deutschland findet sich auch im Bericht der Wintershall-Muttergesellschaft BASF für das dritte Quartal 2011. Dort heißt es: „Den Umsatz bei Natural Gas Trading (deutsch: Erdgashandel) haben wir vor allem durch gestiegene Gaspreise deutlich verbessert. Die zeitversetzte Anpassung der Verkaufs- an die höheren Einkaufspreise belastete die Margen.  Dieser Effekt  wurde zum Teil durch Einmalerträge aus Vertragsanpassungen kompensiert. Das Ergebnis lag damit über dem Wert des Vorjahresquartals.“

Schwieriger scheinen sich die Verhandlungen zwischen dem größten deutschen Erdgas-Großhändler Eon Ruhrgas  und seinen Lieferanten zu gestalten. „Eon Ruhrgas führt intensive Verhandlungen mit Produzenten“, ist im Eon-Bericht für das dritte Quartal zu lesen. „Die Verhandlungen mit Gasprom blieben bisher erfolglos und Eon Ruhrgas hat die im Rahmen der bestehenden Verträge vorgesehene Möglichkeit zur Einleitung eines Schiedsgerichts-Verfahrens gegen Gasprom in Anspruch genommen.“


Dass ein solches Schiedsgerichts-Verfahren zu Preisnachlässen für russische Erdgas-Lieferungen führen kann, hatte der Erfolg des italienischen Energieversorger Edison im Juli gezeigt. Edison erreichte damit allein für das Jahr 2011 eine Entlastung um 200 Mio. Euro. Dabei bezieht der italienische Versorger nur ein Drittel der Menge russischen Erdgases, die VNG einkauft. Auch wenn die Vertragsbedingungen von Edison und VNG wohl nicht direkt miteinander vergleichbar sind, dürfte es doch auch bei dem Leipziger Großhändler um hohe Summen gehen. Eine deutliche Preissenkung für russisches Erdgas hatte zuletzt auch Belarus (Weißrussland) erreicht, als es den nationalen Gasversorger vollständig an den Lieferanten Gasprom verkaufte und weitere wirtschaftspolitische Vereinbarungen mit Russland abschloss.



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