Dem Stromkonzern reicht der derzeit verhandelte Gesetzentwurf für Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid nicht aus. Dennoch will er sich weiter an Forschung, Entwicklung und europäischen Projekten für diese Technologie beteiligen. 12/12/2011




Der Stromkonzern Vattenfall stellt seine Planungen für das CCS-Demonstrationsprojekt Jänschwalde ein. Das Aus für die geplante 1,5 Mrd. Euro schwere Investition gab das Unternehmen Anfang Dezember in Cottbus bekannt. Das von der Europäischen Union  geförderte Projekt sollte ursprünglich bis 2016 in Betrieb gehen und die CCS-Technologie in Kraftwerksgröße demonstrieren.

CCS steht für Carbon Dioxide Capture and Storage - die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid. Dabei wird das Klimagas Kohlendioxid im Kraftwerksprozess abgetrennt, zu unterirdischen Lagerstätten transportiert und dort eingelagert. Dieses Verfahren stößt besonders dort auf den Widerstand der Bevölkerung, wo sich die Lagerstätten befinden. Vattenfall kündigte nun auch an, die Speichererkundung in Ostbrandenburg einzustellen.


Nach Darstellung des Stromkonzerns zeichnet sich nach dem ersten Scheitern des deutschen CCS-Gesetzes 2009 nun auch im zweiten, knapp zwei Jahre währenden Anlauf kein Ende ab. Nach der Ablehnung des im Bundestag beschlossenen Gesetzentwurfes durch den Bundesrat am 23. September 2011 und der Anrufung des Vermittlungsausschusses durch die Bundesregierung  habe sich dieser im November zweimal ergebnislos vertagt.


Der vorliegende CCS-Gesetzentwurf sei ohne substanzielle Verbesserungen nicht geeignet, milliardenschwere Investitionen in die weitere Entwicklung dieser Technologie in Deutschland zu befördern, erklärte Hartmuth Zeiß, Chef der Braunkohlesparte von Vattenfall. „Heute müssen wir feststellen, dass unser Zeitplan nicht mehr einzuhalten ist und sich zudem die notwendigen Änderungen nicht annähernd abzeichnen.“


Dennoch hält Vattenfall weiter grundsätzlich an CCS fest. Das gelte auch für die Absicht, in den 2020er Jahren in Jänschwalde ein neues CCS-Kraftwerk zu bauen, wurde Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka zitiert. Der Stromkonzern will auch künftig den Testbetrieb in der CCS-Pilotanlage Schwarze Pumpe fortsetzen, die Forschung und Entwicklung an CCS weiter begleiten und sich weiter an europäischen Projekten mit dieser Technologie beteiligen. Insbesondere hält es das Unternehmens für nötig, eine europäische Transport- und Speicherinfrastruktur aufzubauen.


Vattenfall ist besonders auf CCS angewiesen, weil der Konzern viele Braunkohle-Kraftwerke betreibt. Sie stoßen größere CO2-Mengen aus als Gas- und Steinkohle-Kraftwerke und müssen daher mit zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen zurecht kommen. Bekanntlich hat sich die Bundesregierung das Ziel gestellt, den nationalen Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um 95% zu senken. Die Beratungsgesellschaft Prognos hatte kürzlich eine Studie vorgestellt, wonach die Braunkohle-Kraftwerksleistung ohne CCS in Deutschland bis 2050 auf 8 GW schrumpfen dürfte. Das wäre nur noch reichlich ein Drittel ihrer heutigen Leistung.



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