In den vergangenen Jahren hatten sich die Erdgaspreise für Belarus schrittweise dem westeuropäischen Niveau angenähert. Ab 2012 liefert der russische Konzern Gasprom nun wieder deutlich billiger und bekommt im Gegenzug das nationale Ferngasnetz. 28/11/2011



Belarus (Weißrussland) bezieht ab 2012 russisches Erdgas zu deutlich günstigeren Preisen als bisher. Im Gegenzug kann der Lieferant Gasprom die nationale Gasgesellschaft Beltransgas vollständig übernehmen. Entsprechende Verträge wurden bei einem Treffen der Staatsführungen von Belarus und Russland am 25. November nahe Moskau unterschrieben. Wie Gasprom mitteilte, wird der russische Konzern im Jahr 2012 eine Erdgasmenge von 22,5 Mrd. Kubikmeter zu einem Preis von 165,6 US-Dollar (122,3 Euro)  je 1.000 m³ nach Belarus liefern.


Für 2013 und 2014 sind 23 Mrd. m³ vorgesehen. In diesen beiden Jahren wird der Preis bereits nach einer neuen Formel berechnet, die bis ins Jahr 2031 gelten soll. Als Grundlage dient dabei der Gaspreis, der für Kunden im westsibirischen Erdgas-Fördergebiet Jamal-Nenzen gilt. Hinzu kommen Ausgaben für den Transport nach Belarus, die Gasspeicherung und für den Vertrieb. Welches Preisniveau diese Formel dann ergibt, teilte Gasprom nicht mit. Das Internetportal Kommersant.ru recherchierte für 2013 einen Preis von 183 US-Dollar.


In den vergangenen vier Jahren hatte der russische Konzern damit begonnen, den Gaspreis für Belarus stufenweise auf das in Westeuropa übliche Preisniveau anzuheben. Derzeit sind so bereits 244 US-Dollar fällig, nachdem zu Beginn des vorigen Jahrzehnts das Gas noch zum damaligen innerrussischen Preis von 50 US-Dollar zu haben war. Dieser Preisanstieg dürfte zu der aktuellen Wirtschaftskrise in Belarus maßgeblich beigetragen haben.


Vertraglich vereinbart wurde jetzt auch, dass Gasprom die übrigen 50 Prozent der Anteile am Gasversorger Beltransgas für 2,5 Mrd. US-Dollar (1,8 Mrd. Euro) kauft. In den vergangenen vier Jahren hatte der russische Konzern bereits die erste Hälfte des belarussischen Versorgers für eine gleich hohe Summe übernommen. Damit gewinnt Gasprom die vollständige Kontrolle über das belarussische Ferngas-Leitungssystem, über das auch ein Teil der russischen Erdgas-Exporte nach Mittel- und Westeuropa transportiert wird. Der überwiegende Teil dieser Exporte strömt derzeit über die Ukraine. Seit Anfang November kann dafür auch der erste Strang der neuen Ostseepipeline Nord Stream genutzt werden.


Russland wird Belarus auch mit einem größeren Kredit als bisher vereinbart für den Bau seines ersten Atomkraftwerks unterstützen. Der schon im März vereinbarte Kredit über 6 Mrd. US-Dollar wird nun auf 10 Mrd. US-Dollar (7,4 Mrd. Euro) ausgeweitet.


Gebaut werden soll dieses AKW mit 2.400 Megawatt Leistung vom russischen Staatskonzern Rosatom. Dies hatten beide Staatsführungen kurz nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März vereinbart. An dem Kraftwerks-Standort Ostrowjets bei Grodno, an der litauischen Grenze, soll der erste Reaktorblock mit 1.200 MW bis 2017 in Betrieb gehen, der zweite Block bis 2018. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Rosatom-Tochter Atomstrojexport im September 2011 mit den Arbeiten beginnt. Allerdings konnte sie erst im Oktober den Bauvertrag mit der belarussischen AKW-Behörde abschließen. Ein neuer Termin für den Baubeginn wurde bei dieser Gelegenheit nicht genannt.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.



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