Eine neue Biogastechnik kann den erneuerbaren Energieträger genau dann produzieren, wenn er für die Stromproduktion gebraucht wird. Als Einsatzstoffe kommen zunehmend Bioabfälle in Frage. 17/10/2011


Das Dresdner Unternehmen Gicon hat eine zweistufige Biogasanlage entwickelt, die ihre Produktion je nach Bedarf stoppen und fortsetzen kann. Damit vermag die Anlage im eigenen Kraftwerk gezielt Strom für die Mittel- und Spitzenlast zu produzieren, wenn am meisten Strom gebraucht wird. Wie der zuständige Geschäftsbereichsleiter Hagen Hilse unlängst auf der Dresdner Biogastagung berichtete, erzeugt die Gicon-Anlage zudem ein sehr energiereiches Biogas, dessen Methangehalt mit 70 bis 80 Prozent vergleichsweise hoch ist.


Die ersten zwei Anlagen des Unternehmens sind bereits in Betrieb. Sie werden allerdings bisher nicht für die lastgesteuerte Stromproduktion genutzt, weil finanzielle Anreize dafür fehlen. Derzeit arbeitet Gicon daran, eine Restabfall-Behandlungsanlage mit seiner Biogastechnik nachzurüsten.


Der sächsische Landwirtschafts- und Umweltminister Frank Kupfer (CDU) wies auf der Tagung darauf hin, dass die Biogasproduktion aus Bioabfällen mit neuen Regelungen befördert werden soll. Die Bundesregierung habe in ihrem Entwurf für das neue Kreislaufwirtschafts-Gesetz festgelegt, dass Bioabfälle getrennt zu sammeln sind, wenn es ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Im November soll sich voraussichtlich der Bundesrat mit diesem Gesetz befassen. Auch in der neuen Fassung des Erneuerbare Energien Gesetzes, die ab 2012 gilt, seien die Bedingungen für den Einsatz von Bioabfällen und biogenen Reststoffen in Biogasanlagen verbessert worden. „Unsere eigenen Untersuchungen  zeigen, dass es in Sachsen noch erhebliche Potenziale zur Verwertung von Bioabfällen und biogenen Reststoffen gibt“, sagte der Minister.


Gegenwärtig arbeiten in Deutschland fast 7.000 Biogasanlagen. Fachleute gehen dabei davon aus, dass nur in 100 dieser Anlagen getrennt gesammelte Bioabfälle eingesetzt werden. Damit bleiben mehr als vier Fünftel des Energieinhalts von Bioabfällen ungenutzt, die zwar getrennt vom Restmüll in der Biotonne gesammelt, aber letzten Endes wieder gemeinsam mit dem Restmüll in Kompostierungsanlagen verwertet werden. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass in den nächsten Jahren noch ein energetisches Potenzial von 3,6 Mio t Bioabfällen erschlossen werden kann. In Biogasanlagen ließen sich daraus jährlich 216 Mio. Kubikmeter Methan produzieren.



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