Wintershall und EDF steigen in das Projekt für eine Pipeline durch das Schwarze Meer ein. Es soll steigende russische Erdgas-Exporte nach Europa ermöglichen und weniger abhängig vom Landweg machen. 19/09/2011


Die deutsche Wintershall-Holding und der französische Stromkonzern EDF beteiligen sich an dem bisher russisch-italienischen Pipelineprojekt Südstrom (South Stream). Sie übernehmen jeweils 15 Prozent der Anteile an dem Meeresabschnitt des Projektes, während der Anteil des italienischen Gaskonzerns Eni auf 20% sinkt. Der russische Energiekonzern Gasprom behält 50%. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten  die Unternehmen Mitte September bei einem Investorentreffen in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi. Die im Schweizer Zug ansässige Projektgesellschaft South Stream war von Gasprom und Eni 2008 gegründet worden. Demnächst soll sie eine Machbarkeitsstudie für das Projekt abschließen. Der Baubeginn ist für 2013 geplant.


Ab 2015 soll Südstrom russisches Erdgas von der russischen Küste über 900 Kilometer durch das Schwarze Meer und dann auf zwei verschiedenen Leitungswegen über Bulgarien und Italien nach Mitteleuropa transportieren. Im Endausbau ist eine jährliche Transportleistung von 63 Milliarden Kubikmeter vorgesehen. Die Baukosten werden mit 10 Mrd. Euro für den Meeres-Abschnitt und mit 5,5 Mrd. Euro für die Landabschnitte angegeben.  


Südstrom gilt als Konkurrenzprojekt zum Pipelineprojekt Nabucco, mit dem sich mehrere west- und mitteleuropäische Gasversorger, darunter der deutsche RWE-Konzern, weniger abhängig von russischen Gaslieferungen machen wollen. Nabucco soll von der türkischen Ostgrenze nach Bulgarien und dann auf einem ähnlichen Weg wie Südstrom nach Mitteleuropa führen. Hier ist eine jährliche Transportleistung von 31 Mrd. m³ projektiert.


Dabei hat das Südstrom-Konsortium den Vorteil, dass es auf die großen russischen Erdgas-Vorräte zugreifen kann. Außerdem verfügt Gasprom über langjährige Lieferbeziehungen mit mittelasiatischen Erdgas-Produzenten wie Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan. Das Nabucco-Konsortium ist ebenfalls auf die reichen Erdgas-Lagerstätten Mittelasiens angewiesen, bevor später vielleicht einmal die noch größeren Gasvorräte des politisch schwierigen Iran verfügbar werden. Bisher hat das Nabucco-Konsortium allerdings noch keine Lieferverträge mit den mittelasiatischen Produzenten abschließen können. Dennoch plant es, 2013 mit dem Bau der voraussichtlich 8 Mrd. Euro teuren Pipeline zu beginnen, vier Jahre später soll durch sie das erste Gas nach Mitteleuropa strömen.


Für Unruhe sorgt Südstrom auch in der Ukraine, über deren Territorium bisher der weitaus überwiegende Teil der russischen Erdgas-Exporte nach Mittel- und Westeuropa transportiert werden. Die Transitgebühren, die Gasprom dafür zahlt, sind eine wichtige Einnahmequelle für das Land. Außerdem konnte die Ukraine ihr Pipelinesystem bisher als Trumpf in den immer wieder aufflammenden Auseinandersetzungen mit Gasprom um Gas-Lieferpreise ausspielen.


Diese Position wird bereits durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream geschwächt, die der russische Konzern mit Eon, Wintershall, GDF Suez und der niederländischen Gasunie baut. Der erste Strang dieser Pipeline, der von der russischen Ostseeküste bei Wyborg über 1.200 Kilometer auf dem Meeresgrund zur deutschen Ostseeküste bei Greifswald führt, ist bereits verlegt und wird derzeit mit Erdgas befüllt. Die ersten Gaslieferungen sind im Oktober zu erwarten. Der zweite Strang soll im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Dann wird Nord Stream jährlich 55 Mrd. m³ russisches Erdgas nach Mittel- und Westeuropa transportieren können.


Derzeit exportiert Gasprom jährlich 148 Mrd. m³ Erdgas in diese Region, die neben dem ukrainischen Transportweg auch über Belarus geliefert werden. Allerdings rechnen der russische Konzern und seine Partner damit, dass der Erdgasbedarf in der Europäischen Union in den nächsten Jahren deutlich steigen wird. Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass die  Erdgasförderung innerhalb der EU sinkt.



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