Der Bundestag hat ein Gesetz für die umstrittene Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid beschlossen. Dem Betreiber Vattenfall Europe reicht dieser Rechtsrahmen allerdings nicht aus. 08-11/07/2011


In der Pilotanlage Schwarze Pumpe erprobt Vattenfall Europa seit 2008, wie sich Kohlendioxid im Kraftwerksprozess abtrennen und danach verflüssigen und transportieren lässt. Archiv-Foto: Stefan Schroeter


Am 7. Juli nahm der Bundestag den Gesetzentwurf der Bundesregierung an, der die Demonstration und Anwendung von Technologien zur Abscheidung, zum Transport und zur dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid erlaubt. Die sogenannten CCS-Technologien (Carbon Dioxide Capture and Storage) sollen eine Perspektive bieten, den Ausstoß von CO2 aus Industrieanlagen und Kraftwerken in die Atmosphäre zu vermindern, heißt es in der Begründung. Der Bundestag forderte außerdem die Bundesregierung auf, eine umfassende Datenbasis für Nutzungsmöglichkeiten des Untergrunds zu erstellen. Sie soll neben der CO2-Speicherung vor allem die geothermische Energiegewinnung ermöglichen.

 

In der Bundestags-Sitzung scheiterte die Linke mit ihrem Gesetzentwurf, die unterirdische CO2-Speicherung in Deutschland zu verbieten. Abgelehnt wurde auch ein Antrag von Bündnis90/Grüne. Sie hatten gefordert, anstelle der Speicherung vorrangig nach Verfahren zu suchen, die den Ausstoß von CO2 vermeiden und seine Wiederverwendung ermöglichen.

Angesichts internationaler Bemühungen, den Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 zu vermindern, gilt CCS in der fossilen Energiewirtschaft als Hoffnungsträger. Diese Technologie soll es insbesondere erlauben, die großen Mengen CO2 aus der Kohleverstromung und Erdölverarbeitung aufzufangen und unterirdisch zu verpressen. Später wäre es auch denkbar, die Treibhausgase aus Industrieprozessen auf diese Weise unschädlich zu machen.

Allerdings ist CCS bisher kaum erprobt, stößt in der Bevölkerung rund um mögliche Speicher auf starken Widerstand und löst selbst unter Experten heftigen Streit aus. Größere Erfahrungen mit der Technologie  liegen eigentlich nur in der Erdgas-Förderung der norwegischen Nordsee vor, wo CO2 vom geförderten Erdgas abgetrennt und unter dem Meeresboden verpresst wird. Darüber hinaus gibt es europaweit eine Reihe von Forschungs- und Demonstrationsprojekten für die Abtrennung des Klimagases im Kraftwerksprozess.

So betreibt der Braunkohle-Verstromer Vattenfall Europe im Kraftwerk Schwarze Pumpe eine Pilotanlage, die CO2 probeweise aus dem Rauchgas eines Braunkohle-Kessels abtrennt und verflüssigt. Als nächsten Schritt plant Vattenfall eine 1,5 Millarden Euro teure Demonstrationsanlage im Kraftwerk Jänschwalde, die auch Strom erzeugen und jährlich 1,7 Mio. t CO2 abscheiden soll. Der Energiekonzern zeigte sich allerdings mit dem nun verabschiedeten Gesetz sehr unzufrieden. In seiner jetzigen Form verhindere es Investitionen in CCS, teilte er mit, ohne konkrete Kritikpunkte zu nennen. Vattenfall appellierte an den Bundesrat, „substanzielle Korrekturen im Sinne der Ermöglichung von forschungsnahen Investitionen am Standort Deutschland“ vorzunehmen“.

Aus einem Bericht des Tagesspiegels geht hervor, dass das Gesetz eine sogenannte Länderklausel enthält, nach der sich einzelne Länder selbst zum Speichergebiet für CO2 erklären müssen. Von den CCS-Gegnerländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei zu erwarten, dass sie der Speichertechnologie auf eigenem Gebiet einen Riegel vorschieben werden. Einen bundesweiten Alleingang bei CCS habe auch Brandenburg ausgeschlossen, wo Vattenfall mit zwei Speicherstandorten plane.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.







Lesen Sie auch:

Braunkohle als Partner der erneuerbaren Energien


99 Prozent Kohlendioxid mit Oxyfuel


Magnetlager, Staubfeuerung und Vergasung