Der russische Energiekonzern unternimmt einen neuen Anlauf, sich an Kraftwerksprojekten in Mittel- und Westeuropa zu beteiligen. Besonders attraktiv scheint dabei der deutsche Markt zu sein. 01/07/2011



Wie Vorstandschef Alexej Miller auf der Hauptversammlung des weltgrößten Erdgasproduzenten am  30. Juni in Moskau sagte, prüft das Unternehmen derzeit mehrere Möglichkeiten, sich an mittel- und westeuropäischen Kraftwerksprojekten zu beteiligen. Sie sollen eine zusätzliche Nachfrage nach russischem Erdgas schaffen und neue Einnahmen aus dem Stromverkauf ermöglichen. Miller deutete dabei an, dass die Gasliefer-Verträge für solche Projekte konkurrenzfähig gestaltet werden könnten. Derzeit liefert Gasprom seinen mittel- und westeuropäischen Partnern das Erdgas zu relativ hohen Preisen, die in langfristigen Verträgen vereinbart sind.

Der Gasprom-Chef bezeichnete Deutschland als attraktivsten Markt für neue Gaskraftwerks-Projekte. Hier sollen bekanntlich bis 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Die starken Schwankungen von Solar- und Windkraft könnten von schnell reagierenden Gaskraftwerken ausgeglichen werden.

Um seine europäischen Kraftwerks-Ambitionen zu untermauern, nahm Gasprom während der Hauptversammlung in einer Live-Schaltung einen neuen Gas- und Dampfturbinen-Block (GuD) im Moskauer Heizkraftwerk 26 in Betrieb. Der neue Block mit einer Stromleistung von 420 Megawatt und einer Wärmeauskopplung von 265 Gigakalorien pro Stunde war vom französischen Anlagenbauer Alstom und seinem russischen Partner Emalliance errichtet worden. Er soll über einen in Russland bisher unerreichten Strom-Wirkungsgrad von 59 Prozent verfügen. Das liegt nur knapp unter dem Weltrekord von fast 61 Prozent, den der deutsche Anlagenbauer Siemens zuletzt für das bayerische GuD-Kraftwerk Irsching 4 gemeldet hatte.

Der von Gasprom kontrollierte Hauptstadtversorger Mosenergo hatte seit 2007 schon drei GuD-Blöcke in Betrieb genommen und damit seinen riesigen veralteten Kraftwerkspark teilweise modernisiert. Bis 2014 will er weitere vier Blöcke ans Netz bringen. Gasprom selbst hatte in den vergangenen Jahren neben Mosenergo auch noch weitere Kraftwerksgesellschaften übernommen und ist so nach eigenen Angaben zum größten Kraftwerksbesitzer des Landes aufgestiegen.

Der russische Energiekonzern hatte bereits 2007 einen Einstieg ins deutsche Kraftwerksgeschäft versucht. Damals vereinbarte der russische Konzern mit dem Luxemburger Versorger Soteg, ein Gaskraftwerk in Eisenhüttenstadt zu bauen. Danach wurde über dieses Projekt nichts mehr bekannt.



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