Unter den erneuerbaren Energien ist die Bioenergie besonders vielseitig. Wie die Internationale Biomasse-Konferenz in Leipzig zeigte, wachsen mit ihrer Nutzung allerdings auch die ethischen Herausforderungen. 24/05/2011


Waldholz ist der klassische Bioenergieträger. Zunehmend werden auch Energiepflanzen und Abfallstoffe genutzt. Foto: Stefan Schroeter



Das BMELV Bundes-Landwirtschaftsministerium will sich dafür einsetzen, dass bei der Einspeisevergütung für erneuerbare Energien ein Stetigkeitsbonus eingeführt wird. Damit würde die ständige Verfügbarkeit von Bioenergie belohnt, sagte Staatssekretär Peter Bleser am 24. Mai bei der Internationalen Biomasse-Konferenz in Leipzig. Während Strom aus Wind und Sonne unregelmäßig erzeugt würden, könne Energie aus Biomasse bedarfsgerecht bereitgestellt werden, so Bleser. Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Novelle des EEG Erneuerbare Energien Gesetzes vor.

Bleser zufolge setzt sich das BMELV auch dafür ein, dass in einem novellierten EEG weiterhin dezentrale Anlagen eine wichtige Rolle spielen. „Wir wollen, dass die Biogasanlagen in den Händen der Landwirte bleiben“, sagte der Staatssekretär. Damit werde eine nachhaltige Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen gesichert. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Vergütungen für eingespeisten Ökostrom um zehn Prozent und mehr sinken können. Damit sollen die Belastungen für die Stromverbraucher begrenzt werden, auf deren Stromrechnungen die Einspeisevergütungen umgelegt werden. Langfristig gesehen sprach sich Bleser dafür aus, die derzeit noch technologieorientierten Fördermechanismen des EEG umzustellen. Künftig sollten die Vergütungen nach der Menge der eingesparten Treibhausgase bemessen werden.


Daniela Thrän vom Deutschen Biomasse-Forschungszentrum Leipzig bezeichnete Biomasse als die vielseitigste erneuerbare Energiequelle. Mit Holz, Energiepflanzen und Reststoffen könne eine breite Palette von Einsatzstoffen verwendet werden, um Wärme, Strom oder Kraftstoffe bereitzustellen. Vor allem die Wärmeproduktion sei sowohl in kleinen, dezentralen Anlagen mit wenigen Kilowatt Leistung, als auch in zentralen Biomasse-Kraftwerken mit 30 und mehr Megawatt möglich.


Mit der Bedeutung von Biomasse für eine klimaschonende Energieversorgung wachsen allerdings auch die „Nutzungskonkurrenzen“, insbesondere zur Nahrungsmittel-Produktion, und damit die ethischen Herausforderungen. Marc Londo vom Energieforschungszentrum der Niederlande bezeichnete Bioenergie als „heiße Kartoffel“ in der politischen Debatte um erneuerbare Energien. Anders als bei Wind und Solarenergie müssten Nutzungsszenarien für die Bioenergie auch die Entwicklungen der weltweiten Bevölkerung, der menschlichen Ernährung und der landwirtschaftlichen Produktivität einbeziehen.

Die Europäische Union habe darauf mit detaillierten Vorschriften für die Vermeidung von Treibhausgasen und den regionalen Anbau von Bioenergie-Pflanzen reagiert. Noch nicht berücksichtigt sei dagegen der  indirekte Wechsel von Flächennutzungen (indirect land use change), den der Anbau von Bioenergiepflanzen in einem Land auslöst. Möglicherweise importiere dieses Land dann Nahrungsmittel aus einem anderen Land, wo für den Anbau der Rohstoffe Waldflächen gerodet werden müssten. „Der indirekte Wechsel von Flächennutzung ist eine sehr komplizierte Sache, aber er kann die Diskussion über Biomasse dominieren“, sagte Londo.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.







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