Polen und Litauen unternehmen einen neuen Anlauf, um ihre nationalen Erdgasnetze miteinander zu verbinden. Die Gasnetzbetreiber Gaz-System und Lietuvos Dujos haben die Wirtschaftsberatung Ernst & Young mit der Vorstudie zu einer grenzüberschreitenden Pipeline beauftragt. 15/04/2011


Dabei sollen die Gasmärkte in Polen und den baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland darauf untersucht werden, welche Perspektiven ein solcher Interconnector hat. In die Analyse sollen Informationen über den gegenwärtigen und künftig erwarteten Gasverbrauch in der Region sowie die Marktpreise eingehen. Weitere Schwerpunkte in der Untersuchung sind Lieferquellen, Versorgungssicherheit und die Gesetzgebung der Europäischen Union. Die EU trägt die Hälfte der Kosten für die Vorstudie, die bei insgesamt 425.000 Euro liegen. Die Ergebnisse sollen im Juli 2011 vorliegen. Danach wollen Gaz-System und Lietuvos Dujos darüber entscheiden, ob sie eine Machbarkeitsstudie für die Pipeline in Auftrag geben.

Die Idee dafür gibt es seit vielen Jahren, ihre Umsetzung kam allerdings noch nicht voran. Bisher gibt es keine direkte Verbindung zwischen dem Gasnetz der baltischen Länder und dem Gasnetz der EU. Derzeit wird das Baltikum über Russland und Belarus mit Erdgas beliefert. Zu Versorgungsproblemen kann es vor allem für Litauen kommen, wenn der russische Erdgaslieferant und Netzbetreiber Gasprom im Streit mit Belarus die Lieferungen in dieses Land stoppt und dann auch der Transit beeinträchtigt wird. Zuletzt war dies Anfang 2004 der Fall, Ende 2006 konnte ein Lieferstopp gerade noch abgewendet werden.

Um neue Lieferwege zu erschließen, wird in Litauen auch über den Bau eines Hafenterminals für Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) diskutiert. Damit könnte das Land künftig LNG auf dem Seeweg von Lieferanten aus Asien und Afrika beziehen.

Lietuvos Dujos arbeitet derzeit auch daran, die Verbindung zum Gasnetz im östlichen Nachbarland Lettland zu erweitern. Gemeinsam mit dem lettischen Gasversorger Latvijas Gaze investiert das Unternehmen 26 Mio. Euro, um die Gasverdichterstation Panevezys und grenzüberschreitende Pipelines zu modernisieren. Auch hier trägt die EU die Hälfte der Kosten.



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