Bei der Erdölförderung werden weltweit immer noch riesige Mengen Begleitgas nicht vor Ort genutzt oder zu Erdgasqualität aufbereitet, sondern am Bohrloch verbrannt. Der US-amerikanische Konzern GE General Electric schätzt die so abgefackelte Gasmenge auf jährlich 150 Milliarden Kubikmeter. 07/04/2011

alt



Das entspricht GE zufolge fünf Prozent der weltweiten Erdgas-Produktion oder 30 Prozent des Verbrauchs in der Europäischen Union. Bei der Verbrennung würden jährlich 400 Mio. t des Treibhausgases CO2 freigesetzt – soviel wie 77 Mio. Pkw ausstoßen.

Dabei gibt es bereits mehrere Möglichkeiten, das „Fackelgas“ zu nutzen. Es kann wieder in die Lagerstätte verpresst werden und so die Ölförderung unterstützen. In speziellen Kraftwerken dient es zur Stromproduktion. Außerdem ist es möglich, Erdöl-Begleitgas zu Erdgasqualität aufzubereiten und über Pipelines zu weiter entfernten Verbrauchern zu transportieren.

Die technischen Lösungen dafür sind nach Ansicht des GE-Managers Michael Farina verfügbar und wirtschaftlich vorteilhaft. Er hält es für möglich, das massenhafte Abfackeln von Begleitgas innerhalb von fünf Jahren zu beenden. Dazu seien eine größere weltweite Aufmerksamkeit, Partnerschaften und vernünftige Politik nötig.


Die GE-Studie nennt auch die Regionen, in denen die größten Mengen Begleitgas abgefackelt werden. An der Spitze steht Russland mit jährlich 50 Mrd. Kubikmetern. Wenn nur die Hälfte davon aufgefangen und zu einheimischen Preisen verkauft würde, könnten damit 65 Mrd. Rubel (1,6 Mrd. Euro) erlöst werden.

Die entsprechenden russischen Bemühungen wurden allerdings in der Finanz- und Wirtschaftskrise gebremst. Ursprünglich sollten Ölfirmen ab 2012 Strafen zahlen, wenn sie weniger als 95 Prozent des Begleitgases nutzen. Dieser Zeitpunkt wurde inzwischen auf 2014 verschoben.


In Nigeria ist der Schadstoffausstoß aus  Fackelgas zwar seit dem Jahr 2 000 um 28 Prozent gesunken, die verbrannte Menge liegt aber immer noch bei 15 Mrd. m³ pro Jahr. Diese Menge würde reichen, um Brennstoff für Kraftwerke mit insgesamt 10 Gigawatt Leistung zu liefern. In dem Land hat die Hälfte der 155 Mio. Einwohner noch keinen Zugang zur Stromversorgung.


Andere Länder in Westafrika fackeln zusammen jährlich 10 Mrd. m³ ab. Für die großen Erdölförderländer des Nahen Ostens nennt GE keine Zahlen. Niedrige Erdgaspreise und vergleichsweise höhere Kosten für die Nutzung von Begleitgas befördern allerdings auch hier die Fackelpraxis.


Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die GGFR Global Gas Flaring Reduction Partnership, eine Initiative der Weltbank gegen die Fackelgas-Praxis. Sie bescheinigt Russland allerdings größere Fortschritte und beziffert die dort abgefackelte Menge für 2010 nur noch mit 35 Mrd. m³. Für Iran werden 11 und für Irak 9 Mrd. m³ genannt.

In einem Video zeigt die GGFR mit einer Animation von Google Earth, in welchen Teilen der Welt welche Mengen Begleitgas abgefackelt werden. Die verwendeten Angaben beruhen auf Schätzungen für das Jahr 2007.




Lesen Sie auch:

Energie-Charta oder Energie-Kodex?


Für russisches Erdgas – tiefer, weiter und kälter


Turbinen für Russlands Gaskraftwerke