In der Grundversorgung der Stadtwerke wird eine Kilowattstunde um 14 Prozent teurer. Das Unternehmen begründet die Preissteigerung mit höheren Kosten für erneuerbare Energien und Netzentgelte. In benachbarten Großstädten steigen die Strompreise wesentlich weniger stark und nicht so hoch. 16-18/11/2010
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Die SWL Stadtwerke Leipzig GmbH hebt ihre Strompreise ab 2011 deutlich an. Ein Leipziger Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 1.800 kWh zahlt dann in der Grundversorgung brutto 4,64 Euro mehr im Monat. Der Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde steigt um 3,09 Cent oder 14 Prozent auf 25,18 Ct brutto. Der Jahres-Grundpreis von 90 Euro bleibt unverändert. SWL begründet die Preissteigerung mit einer erhöhten Umlage aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG-Umlage) und höheren Netzentgelten. „Dank unserer günstigeren Beschaffungskosten fallen die Mehrkosten für unsere Kunden geringer als erwartet aus“, heißt es.

Die EEG-Umlage, die alle Stromversorger an die Übertragungsnetzbetreiber zahlen, steigt 2011 um 1,48 Ct/kWh auf 3,53 Ct/kWh. Die Stadtwerke Leipzig geben diesen Anstieg vollständig an ihre Kunden weiter, was einschließlich Mehrwertsteuer zu einem Bruttopreis-Anstieg von 1,76 Ct/kWh oder 2,65 Euro/Monat für den Durchschnitts-Haushalt führt.

Den verbleibenden Preisanstieg von 1,33 Ct/kWh oder 1,99 Euro führen die Stadtwerke auf höhere Netzentgelte zurück. Die Netzentgelte zahlt jeder Stromversorger, der Leipziger Kunden beliefert, für den Stromtransport an die Stadtwerke Leipzig Netz GmbH (SWL Netz). Dieses Unternehmen berechnet 2011 wieder die vollen Netzentgelte, die nach der Erlösobergrenze der Bundesnetzagentur möglich sind. Im April 2010 hatte SWL Netz seine Netzentgelte aufgrund der sogenannten Mehrerlös-Abschöpfung um 1,61 Ct/kWh auf 9,71 Ct/kWh brutto für einen Durchschnitts-Haushalt gesenkt.

Wie hoch die Netzentgelte 2011 ausfallen, sei noch nicht bekannt, beantwortete SWL eine entsprechende Anfrage. Die Netztochter teile sie den Lieferanten regelmäßig im Dezember mit. „Unsere Prognosen gehen für 2011 jedoch von weiter steigenden Netzentgelten aus“, so das Mutterunternehmen. Als Grund für diese Annahme nannte eine Sprecherin den Netzausbau für die Einspeisung erneuerbare Energien bei vorgelagerten Übertragungsnetz-Betreibern. Die Kosten dafür würden auch an lokale Netzbetreiber weitergegeben.

SWL versorgt derzeit 80 Prozent der Stromkunden im eigenen Netzgebiet. Die Hälfte von ihnen hat Verträge über Bestpreis-Produkte mit vergleichsweise günstigen Preisen und festen Laufzeiten abgeschlossen. Die übrigen SWL-Kunden werden über die gesetzlich geregelte Grundversorgung beliefert.


Weniger schlechte Nachrichten gibt es derzeit für Stromkunden in Dresden. Die Drewag Stadtwerke Dresden GmbH reicht den Anstieg der EEG-Umlage nicht vollständig an ihre Kunden weiter. Möglich wird dies durch Kostensenkungen bei der Drewag selbst und durch gesunkene Netzentgelte. So steigt hier der Arbeitspreis in der Grundversorgung nur um 1,19 Ct/kWh auf 22,69 Ct/kWh brutto. Auch in Erfurt, Halle und Magdeburg fällt der Preisanstieg deutlich geringer aus als in Leipzig. In Chemnitz bleibt der Preis zunächst unverändert.

Unterschiedliche Neuigkeiten hält SWL für die Leipziger Fernwärme- und Gaskunden bereit: Ab dem 1. Januar 2011 sinken die Preise für alle Wärme21.komfort-Kunden um durchschnittlich fünf Prozent. Für dieses Produkt hat sich nach Angaben des Unternehmens bereits die überwiegende Mehrheit der Leipziger Fernwärmekunden entschieden. Für alle anderen Fernwärmekunden mit einer alten Preisregelung steigt der Preis zu Jahresanfang um durchschnittlich acht Prozent. Die Gaspreise bleiben dagegen stabil.


Haushalts-Strompreise in der Grundversorgung mehrerer Großstädte bei einem Jahresverbrauch von 1.800 kWh

 

 

Jahres-Grundpreis in Euro

Arbeitspreis bis 31.12.2010 in Ct/kWh

Arbeitspreis ab 1.1.2011 in Ct/kWh

Jährlicher Gesamtpreis in Euro

 

 

 

 

 

Chemnitz

73,36

23,35

23,35

494

Dresden

84,59

21,50

22,69

493

Erfurt

85,08

22,74

24,50

526

Halle

80,55

22,13

23,63

506

Leipzig

107,00

22,09

25,18

560

Magdeburg

47,20

22,78

24,24

484

 



Nach einer Studie des Verbraucherportals Check24.de haben bundesweit 400 Stromversorger zum Jahreswechsel Preiserhöhungen angekündigt, darunter 359 Grundversorger. Von den steigenden Preisen seien 25 Millionen Haushalte betroffen. Außerdem haben 42 Gasanbieter angekündigt, die Preise zu erhöhen. 20 Gasanbieter wollen sie senken.

Check24 hat außerdem ermittelt, dass der Satz des Arbeitslosengeldes II für Strom im gesamten Bundesgebiet nicht ausreicht, um die durchschnittlichen Stromkosten eines alleinstehenden Erwerbslosen zu decken. Der Satz liege bei 29 Euro, doch ein alleinstehender Arbeitsloser mit einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh müsse monatlich 35 Euro für Strom bezahlen. Damit liegen die durchschnittlichen Stromkosten bundesweit etwa sechs Euro oder 22 Prozent über dem ALG II-Satz für Strom, berichtet das Portal. In den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz betrage die Differenz sogar 30 Prozent. Zwar könne ein Wechsel aus dem oftmals teuren Grundversorgungstarif zu einem günstigeren Stromversorger bis zu 100 Euro im Jahr sparen. Doch vielen Arbeitslosen werde der Wechsel durch eine Prüfung ihrer Bonität erschwert. In Leipzig kosten 1.500 kWh Strom im Grundversorgungstarif derzeit monatlich 36 Euro. 2011 steigt der Preis auf 40 Euro.






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