Der Energiecontainer einer Leipziger Firma produziert Strom aus Wind, Sonne und Diesel. Er eignet sich für die Stromversorgung von abgelegenen Standorten, an denen der Anschluss an das Stromnetz unmöglich oder sehr teuer ist. 11/2008


terracon_gross Es schneit an diesem trüben Novembertag in Taucha, kein Lüftchen weht. Das 15 Meter hohe Windrad auf dem Energiecontainer der Leipziger Terracon Energy GmbH steht still, und auch die mit dem Container verbundene Photovoltaik-Anlage liefert wenig Strom. Aus dem Blechgehäuse dröhnt der Dieselgenerator – er springt an, wenn die Batterie einen niedrigen Ladestand erreicht hat.

Der Energiecontainer ist für die Stromversorgung in Gegenden geeignet, in denen ein Stromanschluss unmöglich oder sehr teuer ist. Für die Stromproduktion sorgt unter mitteleuropäischen Verhältnissen überwiegend das Windrad. Einen kleineren Anteil steuert die PV-Anlage bei. Beide laden gemeinsam mit dem Dieselgenerator eine Nickel-Cadmium-Batterie. „Je nach Aufstellungsort wird bis zu einem Drittel des Stroms durch das Dieselaggregat produziert“, erklärt Geschäftsführer Frank Petersohn. Die Kosten des erzeugten Stroms beziffert er in Mitteleuropa mit knapp unter einem Euro je Kilowattstunde. An einem südafrikanischen Küstenstandort sinken sie nach seiner Rechnung auf bis zu 30 Eurocent. Der Einsatz erneuerbarer Energien führt Petersohn zufolge zu einer deutlichen Kostensenkung: „Ein reines Dieselsystem wäre bei einer Laufzeit von 20 Jahren zwei- bis dreimal so teuer.“

Der Energiecontainer kann per Schiff, LKW oder Hubschrauber an seinen Einsatzort transportiert und dort ohne Fundament aufgestellt werden. Im Container werden auch das Windrad und die PV-Anlage mitgeliefert. „Mit zwei Leuten ist das System in sechs Stunden aufgebaut“, so Petersohn. Der Container besitzt in der Standardausführung ein Füllvermögen von 2 100 l Diesel und kann auf Nachtank-Intervalle von drei bis fünf Jahren ausgelegt werden – die Serviceintervalle sind kürzer.


Große Nachfrage in Afrika, Südamerika und Osteuropa

Das kleine Hybridkraftwerk ist seit 2003 hauptsächlich von Mitarbeitern des in Grimma ansässigen Terrawatt Planungsgesellschaft mbH entwickelt worden. Das ist ein Ingenieurunternehmen, das Sonnen- und Windenergieprojekte plant und umsetzt. Für die Serienproduktion der Energiecontainer gründeten Petersohn und seine Geschäftsführer-Kollegin Petra von der Heide im Januar 2008 die in Leipzig ansässige Firma Terracon. Seit Oktober wurden in der angemieteten Montagehalle im Leipziger Vorort Taucha zunächst drei Container gefertigt und an eine geologische Erkundungsfirma in Thüringen sowie an einen Partner in Nordafrika ausgeliefert. Weitere fünf Container sind derzeit in Arbeit – aber das reicht Petersohn zufolge längst nicht aus. „Die Nachfrage ist sehr gut. Da geht es um große Stückzahlen für Afrika, Südamerika und Osteuropa.“ In Taucha richtet sich Terracon deshalb darauf ein, bis zu 200 Container jährlich zu fertigen. Weitere Fertigungskapazitäten werden künftig über Kooperationspartner freigehalten.

Zu den potenziellen Kunden der Leipziger gehören Mobilfunk-Ausrüster, die auch in abgelegenen Gebieten Funkmasten errichten. Für einen dieser Kunden fertigt Terracon derzeit eine anspruchsvolle Anlage mit verdreifachter Solarfläche und überprüft den Einsatz einer Brennstoffzelle. In einem zweiten Container sind zusätzliche Batterien untergebracht, die mehr Solar- und Windstrom speichern können. Hinzu kommt ein Funkmast. Diese Container-Kombination präsentiert Terracon auch Ende Januar auf der Leipziger Energiemesse enertec.

Für die Container gibt es zwei Standardvarianten mit Dauerleistungen von jeweils 5 und 15 Kilowatt. Terracon kann die Auslegung der Anlage aber auch an die Wind- und Sonnenverhältnisse vor Ort anpassen. Einzelne Anlagen-Bestandteile kauft Terracon von Spezialherstellern. Dazu gehören die Solarmodule, die Windräder, der Generator und die Batterien. Das Zusammenspiel dieser höchst unterschiedlichen Anlagenteile so zu organisieren, dass ein stabiler Stromfluss zum Verbraucher und ein möglichst hoher Wirkungsgrad des Gesamtsystems erreicht wird, bezeichnet Petersohn als größte Herausforderung bei der Entwicklung des Energiecontainers. „Die entscheidende Frage ist die Steuerung“, sagt der Geschäftsführer. „Sie hat uns viel Zeit und viel Entwicklungsaufwand mit einigen Rückschlägen gekostet. Die Systemtechnik wird von uns laufend verbessert und an spezielle Anwendungen angepasst.“



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