© 2020 Stefan Schroeter, Energiejournalist, www.stefanschroeter.com


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Die bevorstehende Teilung der deutsch-österreichischen Strombörsen-Preiszone hat sich stark auf den Handel mit langfristigen Stromlieferungen an der European Energy Exchange ausgewirkt. Andere Geschäftsfelder entwickelten sich deutlich besser, und die internationale Expansion kommt nun auch in den USA voran.

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Im Leipziger City-Hochhaus nimmt der Börsenhandel mit Energie mehrere Stockwerke ein. Foto: Stefan Schroeter


Der Energiebörsen-Konzern EEX European Energy Exchange hatte im vergangenen Geschäftsjahr 2017 mit mehreren Unsicherheiten im Strom-Terminmarkt zu kämpfen. Die dadurch verursachten Umsatz-Rückgänge konnten aber weitgehend durch Zuwächse in anderen Geschäftsfeldern ausgeglichen werden. Wie Finanzvorständin Iris Weidinger heute in Leipzig berichtete, ging der Umsatz der EEX-Gruppe um vier Prozent auf 225 Millionen Euro zurück. Der Jahresüberschuss sank um sieben Prozent auf 54 Mio. Euro. Zur EEX-Gruppe gehören die Muttergesellschaft EEX AG und ihre Tochterunternehmen. An 16 Standorten waren zum Jahresende 2017 insgesamt 542 Beschäftigte tätig, davon 233 in Leipzig.

 

Die Muttergesellschaft selbst konnte zwar ihren Umsatz um 4 % auf 30 Mio. Euro steigern, ihr Jahresüberschuss ging allerdings um fast die Hälfte auf 37 Mio. Euro zurück. Die Ursache dafür liegt in geringeren Beteiligungserträgen und höheren Betriebsaufwendungen. Der Hauptversammlung will Weidinger eine Dividende von 16 Mio. Euro vorschlagen. Davon würden wahrscheinlich 1,39 Mio. Euro an die Stadt Leipzig und den Freistaat Sachsen fließen, die insgesamt 7,94 % der EEX-Aktien halten. Außerdem zahlt die Energiebörse für das Jahr 2017 eine Gewerbesteuer von 7,8 Mio. Euro in die Leipziger Stadtkasse.

 

Wie Vorstandschef Peter Reitz berichtete, hat sich am Strom-Terminmarkt vor allem die bevorstehende Teilung der deutsch-österreichischen Strombörsen-Preiszone auf den Handel ausgewirkt. Der Handel am deutschen Strom-Terminmarkt sei deshalb um 30 % auf 2.003 Terawattstunden zurückgegangen. Inzwischen habe die Energiebörse aber 95 % der deutsch-österreichischen Terminkontrakte in den deutschen Terminmarkt überführt, mit dem Phelix DE sei ein neues Referenzprodukt für Strom in Europa etabliert worden. Separate Terminprodukte hat EEX auch für die kleinere Preiszone in Österreich aufgelegt. Hier berichtete Reitz über erste Handelsvolumina, er erwartet allerdings keine große Liquidität auf diesem kleinen Markt.

 

Auch der französische Terminmarkt und der eng mit ihm verbundene italienische Terminmarkt verzeichneten starke Rückgänge, nachdem die französische Regierung die Stilllegung von Atomkraftwerken angekündigt hatte. Zu den erfreulichen Entwicklungen zählte Reitz dagegen  die stabile Entwicklung am Strom-Spotmarkt für den kurzfristigen Handel und das Wachstum auf dem noch eiligeren Intraday-Markt. Inzwischen sei es möglich, Strom bis zu fünf Minuten vor seiner Lieferung zu handeln, berichtete der EEX-Chef. Auch bei Erdgas- und Emissionsrechten wuchsen die Handelsmengen.

 

Die Einbindung der Prager Tochterbörse PXE in den Strom- und Gashandel der Mutterbörse entwickelt sich gut. Einen weiteren großen Expansionsschritt unternahm EEX, als sie im vorigen Jahr die US-amerikanische Energie-Terminbörse Nodal Exchange übernahm.