© 2020 Stefan Schroeter, Energiejournalist, www.stefanschroeter.com


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Der kommunale Energieversorger Dresdens will eine Kraftwärme-Kopplungsanlage mit 80 Megawatt Strom- und Wärmeleistung bauen. Sie soll extrem teillastfähig sein und sich so an die Schwankungen der erneuerbaren Strom- und Wärmeerzeugung anpassen können.


Der Dresdner Energieversorger Drewag kann ein neues Heizkraftwerk an seinem Standort Reick errichten. Entsprechenden Vorschlägen zu Ausschreibung, Planung, Bau und Betrieb hat der Aufsichtsrat des kommunalen Unternehmens am 28. Februar zugestimmt. Gebaut werden soll eine hochflexible Kraftwärme-Kopplungsanlage mit 80 Megawatt Strom- und Wärmeleistung, für die ein Investitionsbudget von 95 Millionen Euro vorgesehen ist. Dem Zeitplan zufolge könnte der Bau der Anlage Januar 2019 beginnen und ihre Inbetriebnahme bis Ende 2022 abgeschlossen werden.

 

Die KWK-Flexanlage soll über acht Module mit jeweils einer elektrischen und thermischen Leistung von 10 Megawatt verfügen. Sie ist für Schwarz- und Schnellstarts sowie einen stundenweisen Betrieb ausgelegt. Die Ausnutzung des vorgesehenen Brennstoffs Erdgas beziffert Drewag mit 88 Prozent.

 

Der Aufbau mit mehreren Modulen soll einen extrem teillastfähigen Betrieb ermöglichen, so dass sich die Anlage an veränderte Bedingungen des Strom- und Wärmemarktes anpassen kann. Dazu zählen schwankende Einspeisungen von Solar- und Windstrom ins Stromnetz sowie von Solarwärme ins Wärmenetz. Mit den bisherigen KWK-Erzeugungsanlagen sei das technisch nicht möglich, teilte Drewag mit. Das Unternehmen erwartet ab Mitte der 20er Jahre einen Nachfrageschub nach hoch flexibler Stromerzeugung, weil dann mehrere Großkraftwerke vom Netz gehen.

 

Schwarzstarts, bei denen das Kraftwerk nach einem großflächigen Stromausfall aus eigener Kraft angefahren wird, sollen mit gespeicherter Druckluft erfolgen. Danach kann die Flexanlage in Reick genügend Strom liefern, mit dem sich dann auch das größere Dresdner Heizkraftwerk Nossener Brücke starten lässt.

 

Im Normalbetrieb soll das neue Kraftwerk das HKW Nossener Brücke teilweise entlasten.  Die Lebensdauer dieses Kraftwerkes, das über eine Stromleistung von 240 MW verfügt, war bisher bis 2035 ausgelegt. Mit dem neuen Kraftwerk könnte sich die Lebensdauer des HKW Nossener Brücke noch um einige Jahre darüber hinaus verlängern.

 

Als weiteren Effekt der Flexanlage nennt Drewag, dass nach ihrem Bau das Zentrale Fernheiznetz Dresdens nahezu vollständig aus KWK-Wärme versorgt würde. Gleichzeitig soll auch für industrielle Neuansiedlungen die Versorgungssicherheit steigen. Der Energieversorger versicherte seinen Kunden, dass die Fernwärme-Preise aufgrund der neuen Anlage nicht steigen werden.