© 2020 Stefan Schroeter, Energiejournalist, www.stefanschroeter.com


Drucken


Die deutschen Gebäude können die Klimaschutz-Ziele bis 2050 erreichen. Je nach Technologieansatz und Messlatte fallen dafür Mehrkosten von 608 bis 1.051 Milliarden Euro an.

Solarwaerme_gross.JPG

Solarwärme dient dem Klimaschutz und kann direkt am Gebäude genutzt werden. Foto: Stefan Schroeter


Die Klimaschutz-Ziele für das Jahr 2050 sind im Gebäudebereich erreichbar. Zu diesem Ergebnis kommt die Geea Allianz für Gebäudeenergie-Effizienz in einer Studie, die am Donnerstag bei der Energiefachtagung in Leipzig vorgestellt wurde. Der Treibhausgas-Ausstoß deutscher Gebäude kann demnach um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 vermindert werden. Das gilt als ein notwendiger Beitrag dafür, dass die Bundesregierung ihr gleichlautendes Ziel für die gesamte Volkswirtschaft erreichen kann.

 

Als Voraussetzungen dafür nennt die „Gebäudestudie“, dass der Endenergie-Verbrauch der Gebäude deutlich sinkt, erneuerbare Energien wie Biomasse, Solar- und Umweltwärme direkt genutzt werden und erneuerbarer Strom eingesetzt wird. Je nach Umfang der Treibhausgas-Minderung und Technologiemix fallen dafür Mehrkosten von 608 bis 1.051 Milliarden Euro an. Dabei erwartet Studienautor Bert Oschatz die geringsten Mehrkosten, wenn ein Klimaziel von 80 Prozent erreicht werden soll und ein breiter Technologiemix bei der Energieversorgung eingesetzt wird. Deutlich teurer wird es, wenn bei einem Ziel von 95 Prozent fast nur noch erneuerbarer Strom als Energieträger eingesetzt werden soll.

 

Ein Nur-Strom-Szenario hält Oschatz auch aus anderen Gründen für ungünstig. Aus seiner Sicht sind künftig synthetische Brennstoffe unverzichtbar, die aus erneuerbarem Strom hergestellt werden und so als Speichermedium für die Zeiten dienen, in denen die erneuerbaren Stromerzeuger nicht ausreichend verfügbar sind. Mit einer größeren Technologieoffenheit werde die Energieversorgung auch robuster für den Fall, dass sich künftig einmal einzelne Rahmenbedingungen ändern sollten.

 

Der Geschäftsführer des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung Dresden rechnet auf jeden Fall mit einem Umbruch in der Gebäudetechnik. „Wir kriegen mehr elektrische Wärmepumpen“, sagte Oschatz. „Verbrennungsbasierte Heiztechnik funktioniert langfristig nur dann, wenn wir synthetische Brennstoffe haben werden.“

 

Einer dieser Brennstoffe ist synthetisches Methan, das sich aus Strom, Wasser und Kohlendioxid herstellen lässt. Dafür gibt es bereits mehrere Pilotprojekte – bis zu einer großtechnischen und wirtschaftlichen Produktion ist es allerdings noch ein weiter Weg. Um die Entwicklung der Strom-zu-Gas-Technik (Englisch: Power to Gas – PTG) voranzubringen,  hat der Ferngasleitungs-Netzbetreiber Ontras mit mehreren Partnern einen Vorschlag für ein Anschub-Förderprogramm erarbeitet. Wie Pressesprecher Ralf Borschinsky berichtete, könnten damit im Zeitraum von 2019 bis 2027 PTG-Anlagen mit insgesamt 1.500 Megawatt installierter Leistung gefördert werden. Ontras selbst plane ein PTG-Projekt in der Lausitz, das gemeinsam mit dem ostsächsischen Regionalversorger Enso und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg umgesetzt werden soll.