© 2020 Stefan Schroeter, Energiejournalist, www.stefanschroeter.com


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Können Energieversorger seit Jahresanfang schon elektronische Stromzähler bei größeren Kunden und kleineren Kraftwerken einbauen? Im Prinzip: Ja. Doch dazu müsste es auch noch amtlich zertifizierte Kommunikationseinheiten für die Zähler geben.

Stromzähler gross

Einen einfachen digitalen Stromzähler (ganz links) können interessierte Kunden sich schon seit einiger Zeit einbauen lassen. Zu einem intelligenten Messsystem mit Einbaupflicht wird er aber erst mit einer Kommunikationseinheit, die hier als grünes Modul gut erkennbar ist. Foto: Stefan Schroeter


Der schrittweise Einbau digitaler Stromzähler bei deutschen Stromverbrauchern und -produzenten verzögert sich weiter. Das wurde gestern auf dem Fachkongress ZMP Zählen-Messen-Prüfen in Leipzig bekannt. Zwar sind im vergangenen Jahr mit dem sogenannten Messstellen-Betriebsgesetz die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden. Damit hätten die Energieversorger die Digitalzähler (Englisch: Smart Meter) eigentlich schon seit Anfang des laufenden Jahres 2017 bei einigen Kunden und Kraftwerken einbauen können.

Eine Voraussetzung für den verpflichtenden Einbau aber ist, dass mindestens drei voneinander unabhängige Gerätehersteller auch schon sogenannte Smart Meter Gateways liefern können. Das sind die Kommunikationseinheiten für die Digitalzähler, die deren Daten verschlüsselt an den Betreiber des Zählers übertragen. Sie können umgekehrt auch Daten empfangen und so flexible Tarife ermöglichen. Bisher hat das BSI Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das die Datensicherheit dieser Geräte prüft, allerdings noch kein einziges Smart Meter Gateway für den praktischen Einsatz freigegeben.

Der zuständige BSI-Abteilungspräsident Bernd Kowalski berichtete auf dem ZMP-Kongress, dass sich derzeit acht SMG-Hersteller im Zertifizierungsverfahren befinden. Bisher sei noch keines dieser Verfahren mit einer Zertifizierung abgeschlossen worden. Dafür gebe es einige Gründe, sagte Kowalski, ohne sie näher zu benennen. Größere Fortschritte gibt es dagegen in angrenzenden Bereichen. So hat BSI inzwischen vier Administratoren und fünf Dienstleister zertifiziert, die SMG einrichten und betreiben können.

Kowalski vermied eine Prognose dafür, wann die SMG verfügbar sein könnten. Andere Redner erwarten dies bis zum Jahresende 2017. Zu ihnen gehören Stefan Küppers, Vorstandschef des FNN Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, und Jens Lück, Beisitzer der Bundesnetzagentur.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie setzt große Hoffnungen in den Einbau der digitalen Messsysteme. Staatssekretär Rainer Baake hat dabei nicht nur die Verbraucher, sondern auch die zunehmend große Zahl der Kraftwerke im Blick. Derzeit gebe es bundesweit 1,8 Millionen dezentrale Stromerzeugungsanlagen, bald würden es mehr als 2 Mio. sein, sagte Baake. Die Herausforderung, sie sicher und beherrschbar in das Netz und in den Strommarkt zu integrieren, sei ohne eine grundlegende Modernisierung und Digitalisierung nicht zu meistern.

Nach VDE-Angaben gibt es derzeit bundesweit 45 Millionen analoge Stromzähler. Sie sollen bis zum Jahr 2032 durch elektronische Stromzähler ersetzt werden. Zunächst werden intelligente Messsysteme bei Großverbrauchern eingebaut, die mehr als 10.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen, und bei Kraftwerken mit einer installierten Leistung von 7 bis 100 Kilowatt. Ab 2021 sollen Verbraucher mit mehr als 6.000 kWh Jahresverbrauch folgen.