Der Einkaufspreis für Erdgas aus Langfristverträgen lag 2011 meist über dem erzielbaren Verkaufspreis. Der ostdeutsche Erdgasimporteur rutschte deshalb mit 260 Mio. Euro tief in die roten Zahlen. 17/02/2011
 Der Erdgasimporteur Verbundnetz Gas ist mit seinen Langfristverträgen unter starken Preisdruck geraten. Jetzt kommt es auf Verhandlungen und Schiedsgerichte an. Foto: Stefan Schroeter
Der drastische Wandel des europäischen Großhandels-Marktes für Erdgas hat beim ostdeutschen Importeur VNG Verbundnetz Gas zu einem Verlust von 260 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2011 geführt. Schon im Jahr zuvor war der Gewinn um zwei Drittel auf 59 Mio. Euro eingebrochen. Der Absatz stieg dagegen um 7 Prozent auf 235 Mrd. kWh, weil das Unternehmen seine Verkäufe an den Spot- und Terminmärkten nahezu verdoppeln konnte. Der Umsatz kletterte durch diesen Mehrabsatz und die gestiegenen Preise um 21 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro. In der VNG-Gruppe, zu der die ausländischen Tochtergesellschaften gehören, führte der hohe Verlust der Muttergesellschaft noch zu einem Fehlbetrag von 211 Mio. Euro.
Als maßgeblichen Grund für diese hohen Verluste führte Vorstandschef Karsten Heuchert an, dass im Jahr 2011 der Einkaufspreis für Erdgas aus der Mehrzahl der langfristigen VNG-Verträge über dem zu erzielenden Preis auf dem Absatzmarkt gelegen habe. In diesen Verträgen, die oft über mehrere Jahrzehnte laufen, ist der Erdgaspreis traditionell an den Erdölpreis gekoppelt. Wegen eines Überangebots auf dem europäischen Erdgasmarkt sind die Preise im kurzfristigen Großhandel in den vergangenen Jahren aber stark gesunken. „Deshalb ist es unsere wichtigste Aufgabe, unsere Preisverhandlungen mit den Produzenten zu einem positiven Abschluss zu bringen“, sagte Heuchert. Dabei sollen die langfristigen Bezugsverträge an die geänderten Marktbedingungen angepasst werden.
Mit dem größten Lieferanten WIEH Wintershall Erdgas Handelshaus, einem Gemeinschaftsunternehmen des russischen Produzenten Gasprom und des deutschen Öl- und Gasunternehmens Wintershall, konnte VNG bereits im Januar eine erste Einigung erreichen. Nähere Einzelheiten dazu wollte Heuchert nicht nennen. Mit weiteren Lieferanten befindet sich das Unternehmen noch in Verhandlungen und auch schon in einer Reihe von Schiedsgerichts-Verfahren. Welche Lieferanten das betrifft und an welchen Schiedsgerichten die Verfahren laufen, sagte der Vorstandschef auf Nachfrage nicht.
Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.
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