In Sachsen waren zum Jahresende 2011 mindestens 217 Biogasanlagen am Netz, die über eine installierte Stromleistung von insgesamt 92 Megawatt verfügen. Diese Zahlen nannte Claudia Brückner vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Ende Januar beim Biogas-Fachgespräch des DBFZ Deutschen Biomasse-Forschungszentrums Leipzig. Davon befinden sich 188 Anlagen mit 77 MW in Landwirtschaftsbetrieben, die ihre Einsatzstoffe selbst erzeugen. Hinzu kommen gewerblich betriebene Anlagen, deren Betreiber die eingesetzten Substrate zukaufen, und Klärgas-Anlagen. Brückner rechnet damit, dass die Zahl sächsischer Biogasanlagen im laufenden Jahr 2012 auf mindestens 240 steigt und ihre installierte Stromleistung 111 MW erreicht.
Den Betreibern sächsischer Biogasanlagen ist es in den vergangenen Jahren zunehmend besser gelungen, die Abwärme ihrer Kraftwerke zu nutzen. Lag der Nutzungsgrad dieser externen Wärme 2006 noch bei 14 Prozent, stieg er bis 2010 auf 36 %. Meist wird die Wärme eingesetzt, um Stall- und Betriebsgebäude zu heizen oder landwirtschaftliche Produkte zu veredeln. Häufig gibt es auch Wärmelieferungen an Wohngebäude und kommunale Einrichtungen. Dennoch geht weiterhin die meiste Wärme verloren, weil es in den ländlichen Regionen nicht genügend geeignete Wärmekunden gibt oder weil Nahwärme-Netze fehlen.
Der große Wärmeverlust bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen lässt sich auch vermeiden, wenn Biogas auf Erdgasqualität veredelt und ins allgemeine Gasnetz eingespeist wird. In Sachsen sind bisher erst drei solche Biomethan-Anlagen ans Netz angeschlossen. Es dürften allerdings bald mehr werden: Dem Landesamt sind schon sechs weitere Einspeiseanlagen bekannt, außerdem werden derzeit 23 Projekte von den Behörden geprüft.
Eine sinnvolle Nutzung für die Wärme zu finden, ist auch in der Altmark ein besonders ausgeprägtes Problem für Biogasanlagen-Betreiber. In dieser ländlichen Region im nördlichen Sachsen-Anhalt sind bis 2010 insgesamt 65 Biogasanlagen gebaut worden, berichtete Ralf Winterberg von der Beratungsfirma Cordes und Winterberg. Die Zahl der Anlagen, die derzeit in Betrieb, im Bau oder geplant sind, schätzt er auf 100 bis 120. In einem Optimierungsprojekt, das vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wird, hat Winterberg gemeinsam mit dem DBFZ und einem lokalen Partner eine sechs Jahre alte, weniger effektive Anlage mit 350 Kilowatt Stromleistung in einem landwirtschaftlichen Betrieb näher untersucht.
In dieser Anlage kann die anfallende Wärme nur im Winter zur Hälfte genutzt werden, im Sommer ist es noch ein Viertel. Die Biogas-Experten haben nun nach neuen Möglichkeiten gesucht, die anfallende Abwärme besser und wirtschaftlich zu verwerten. Eine Variante wäre, dass der Betreiber eine Getreide-Trocknungsanlage anschafft und sie mit der eigenen Abwärme betreibt. So könnte er sein Getreide trocknen, das er derzeit noch feucht und daher mit einem Preisabschlag verkauft.
Wie DBFZ-Mitarbeiterin Jaqueline Daniel-Gromke sagte, würde dieser Saisonbetrieb allerdings nicht ausreichen, um die Trocknungsanlage wirtschaftlich zu betreiben. Sie wäre nur bei einer ganzjährigen Vollauslastung rentabel. Deutlich wirtschaftlicher sei es, eine Absorptions-Kältemaschine für die Milchkühlung anzuschaffen. Bei einer solchen Maschine wird Wärme für Verdampfungsprozesse genutzt, um die Temperatur in einem Kühlkreislauf zu senken. Sie würde in dem Landwirtschaftsbetrieb eine strombetriebene Kompressions-Kältemaschine ersetzen, bei der hohe Stromkosten anfallen. Bei dieser Anwendung rechnet Daniel-Gromke sogar mit einem jährlichen Gewinn von 45.000 bis 52.000 Euro für den Landwirt.
Die bisher geringe Wärmenutzung ist nicht das einzige Problem der untersuchten Anlage. Es stellte sich außerdem heraus, dass sie 17 Prozent weniger Methan erzeugt als eine Referenzanlage. Eine mögliche Ursache dafür sieht Winterberg in einem zu klein ausgelegten Fermenter, in dem das Biomasse-Substrat nicht vollständig vergoren wird. Auch in der offenen Hydrolysestufe, wo die Einsatzstoffe für die Vergärung aufbereitet werden, und im offenen Gärrestlager könne Energie verloren gehen. Generell lassen sich diese Verluste nach Winterbergs Ansicht vermeiden: Fermenter müssten in ausreichender Größe errichtet werden, um die Methan-Ausbeute zu optimieren. Bei Hydrolysereaktoren und Gärrestlagern sei es notwendig, sie gasdicht zu bauen.