toplogo01Als Leipziger Wirtschaftsjournalist schreibe ich überwiegend über Energiethemen für Zeitungen, Zeitschriften und Internetportale. Dabei suche ich gern Verbindungen zu anderen Branchen sowie innerhalb Mittel- und Osteuropas. Besonders spannend finde ich, wie sich der Übergang von der bisher etablierten Energieversorgung zum Zeitalter der erneuerbaren Energien gestalten lässt.
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Gicon gewinnt Biogas aus der Restabfall-Rotte Drucken

In Restabfall-Behandlungsanlagen kann das Prozesswasser mit einem speziellen Methanreaktor zur Biogasproduktion genutzt werden. Die Technik dafür hat ein Dresdner Unternehmen entwickelt und in einer Erfurter Anlage in Betrieb genommen. 20/01/2012



In dem Methanreaktor (Mitte) wird Prozesswasser aus der Intensivrotte vergoren, wobei Biogas entsteht. Daraus produziert das BHKW im linken Container dann Strom und Wärme. Foto: Gicon



Das Dresdner Ingenieurunternehmen Gicon hat eine Restabfall-Behandlungsanlage (Raba) der Stadtwerke Erfurt mit einer Biogasanlage und einem angeschlossenen Blockheiz-Kraftwerk nachgerüstet. Mit einer von Gicon entwickelten Technik soll aus dem Prozesswasser der Raba-Intensivrotte ein Biogas gewonnen werden, mit dem das BHKW dann Strom und Wärme erzeugt. Mit dieser weltweit erstmalig umgesetzten Maßnahme werde ein bisher unerschlossenes Energiepotenzial aus dem Restmüll genutzt, teilte das Dresdner Unternehmen mit. Dabei würden Ökostrom produziert und Schadstoff-Emissionen reduziert.

Die Raba Erfurt-Ost verarbeitet in einer mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) jährlich etwa 90.000 Restmüll. Dieser Restmüll wird zerkleinert und in zwei Fraktionen gesiebt. 74.000 t/a der energiereichen Fraktion gelangen direkt in eine Energie-Verwertungsanlage. 16.000 t/a der energiearmen Fraktion werden in Intensiv-Rottetunneln und in einer Nachrotte biologisch behandelt und anschließend deponiert. Gicon hat nun die Intensiv-Rottetunnel so nachgerüstet, dass sie aus dem Restmüll ein sogenanntes Perkolat gewinnen können. Das ist eine mit organischen Säuren angereicherte Flüssigkeit, die in einem speziellen Reaktor vergoren wird. Dabei entsteht das Biogas mit einem relativ hohen Methangehalt von 70 Prozent.

Gicon geht davon aus, dass bei einem Durchsatz von 16.000 t/a Rottegut bis zu 750.000 Kubikmeter Biogas erzeugt werden können. Diesen Energieträger nutzt im BHKW ein Biogasmotor mit 255 Kilowatt Strom- und 290 kW Wärmeleistung für die Endenergie-Produktion. Der so erzeugte Strom wird in das Netz eingespeist und nach EEG vergütet. Die Wärme dient teilweise dazu, den Methanreaktor zu beheizen. Zum anderen Teil wird sie zur bestehenden Energie-Verwertungsanlage ausgekoppelt und von dort ins Fernwärmenetz eingespeist.

Die Dresdner Ingenieure hatten seit 2008 im Auftrag der Stadtwerke Erfurt die Möglichkeit untersucht, Biogas aus der Intensivrotte zu gewinnen. Ende 2009 erhielten sie dann den Auftrag zur Umrüstung der Anlage. Im Dezember 2011 ging sie schließlich in Betrieb. Insgesamt setzte Gicon dabei mit Planung und Umrüstung ein Auftragsvolumen von 1,3 Mio. Euro um. Das Unternehmen geht davon aus, dass auch die anderen 25 deutschen MBA mit einer solchen Perkolatvergärung nachgerüstet werden können.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.




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